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Reich der Phantasie, reloaded

Mit einem Ruck fuhr Carola aus dem Schlaf hoch. Sie lauschte in die Stille, und obwohl sie nicht hätte sagen können, was sie geweckt hatte, brach ihr plötzlich der Schweiß aus.
„Carola?“
Die Stimme ließ sie herumfahren.
Im Dämmerlicht, das durch die halb heruntergelassenen Jalousien fiel, erkannte Carola einen Mann in der Ecke ihres Schlafzimmers.
„Markus!“, entfuhr es ihr. „Was machst du hier?“
Er lachte leicht. „Du weißt ganz genau, weshalb ich hier bin.“
„Nein“, protestierte sie, „das weiß ich nicht! Und wie bist du überhaupt reingekommen?!“
Sie merkte plötzlich, dass ihr Herz schneller klopfte und sie verkrampft im Bett saß, die Decke um den Körper gezogen, als sei sie Schutzwall. Vor wem wollte sie sich schützen – vor Markus?
Vor wem sonst, wies eine ironische innere Stimme sie streng zurecht. Oder ist sonst noch ein fremder Mann uneingeladen in deinem Schlafzimmer?
Fremder?
Na ja, fast fremder.
Ihre blonden Locken fielen ihr schweißnass in die Stirn. Nervös strich sie sie weg.
Der große, dunkle Mann am Fenster, dessen Züge sie im Dämmer nur unscharf erkannte, schien zu lächeln. Aber war es ein freundliches Lächeln oder ein spöttisches?
Himmel, sah er gut aus. Kraftvolle männliche Ausstrahlung, Muskeln, charismatisches Gesicht … Das war wieder Carolas innere Stimme, aber diesmal ohne Ironie. Dafür mit umso mehr Lust.
„Ja, wie bin ich nur hereingekommen?“, wiederholte Markus weich, „zur kleinen Carola in ihr Puppenschlafzimmer, ich, der böse Wolf? Was meinst du denn, mein Kind?“
„Ich bin kein Kind!“, begehrte sie da auf. „Ich bin … nur … ich glaube … ich habe …“
Wieso stotterte sie nur so herum? Die Situation hatte etwas Surreales. Schlief sie am Ende noch immer? War dies ein Traum? Aber nein. Carola verwarf diesen Gedanken wieder. Viel zu echt fühlte sich das alles an. Ihre Angst … die Schweißtropfen, die an ihrer Haut klebten, ihr …
„Erinnerst du dich wirklich nicht mehr?“, fragte Markus, und während er sprach, kramte er in seiner Hosentasche herum und zog einen kleinen Gegenstand daraus hervor.
Er hielt ihn hoch.
Es war ein kleiner goldener Würfel, der aus sich selbst heraus leuchtete.
Mit wachsender Bestürzung betrachtete Carola dieses Ding zwischen Markus’ Fingern. Das goldfarbene Leuchten erhellte das dunkle Loch in ihrer Erinnerung. Jetzt fiel ihr wieder einiges ein! Aber …
„Aber das war doch nur ein Spaß! Ein Partyscherz!“, stieß sie hervor.
Markus trat ein, zwei Schritte vor.
Seine bislang heitere Miene, stets nah am Schmunzeln, veränderte sich. Düster funkelten seine Augen.
Ganz kurz musste die blonde junge Frau an einen … Dämon denken. Und seltsamerweise flößte ihr dieser Gedanke nicht nur Angst ein. Nein, da war noch etwas anderes. Ein Gefühl von …
„Kein Scherz, Carola. Und auch das weißt du.“ Seine Stimme besaß jetzt ebenfalls eine dunklere Färbung.
Immer noch fragte sie sich, ob ihr nicht die Schlaftrunkenheit einen Streich spielte.
Blödsinn. Du bist hellwach. Wieder diese entzückend hilfreiche, trocken-ironische Stimme, die immer bloß Kommentare abgab, aber niemals etwas wirklich Konstruktives zu ihren Problemen beitrug. Diese Stimme verfolgte Carola schon seit der 7. Klasse.
„Vielleicht hilft es deinem Gedächtnis etwas auf die Sprünge, wenn du aufstehst.“
„Das geht nicht, ich bin …“, Blut schoss ihr ins Gesicht, „nicht angezogen“, setzte sie lahm und fast flüsternd hinzu.
Markus lachte nun herzlich. Seine Zähne schimmerten perlmuttweiß.
„Carola, Carola, du kannst dir doch sicher vorstellen, wie sehr mich gerade das reizt! Außerdem hättest du es nicht sagen müssen. Schon gestern Abend erklärtest du uns allen doch, dass du eine passionierte Nacktschläferin bist.“
Gestern Abend. Die Party bei Ofelia. Sie hatten eine Runde Golden World gespielt, und dann …
O Gott.
„Steh auf. Sofort.“
Es klang leise, aber so, als bliebe ihr gar keine andere Wahl als zu gehorchen.
Wie hypnotisiert streifte Carola die Decke weg und schwang die Beine über die Bettkante. Ihre rasierten, schlanken, zart gebräunten Beine, auf die sie beinahe ebenso stolz war wie auf ihre festen Brüste.
Sie erhob sich. Stand da, und ihre Hände zuckten, als wolle sie ihre Blöße bedecken.
Tat es dann jedoch nicht.
Urplötzlich stellte sie fest, dass die Situation sie maßlos erregte. Wie sie hier vollkommen nackt vor dem ordentlich mit Jeans und T-Shirt bekleideten fast fremden Markus stand. Der ihr befohlen hatte aufzustehen. Erschrecken mischte sich mit Lust. Und was, wenn nun Holger kam!?
Markus musterte ihre Gestalt wohlgefällig.
„Mein Mann kommt, Markus“, sagte Carola schwach. „Wir können nicht … du … du scheinst ja … über alles Bescheid zu wissen, also weißt du das auch …“ Wieder färbte Purpur ihre Wangen, als ihr klar wurde, sie hatte aufgehört sich zu wehren, war sie wirklich bereit das zu tun?
„Kein Problem, Carola“, erwiderte Markus mit unnachahmlicher Lässigkeit. „Wir gehen nach draußen in den Garten. - Es ist früher Morgen und sommerlich warm.“ Wieder duldete allein der Klang seiner Stimme keinen Widerspruch, und im nächsten Moment zog er ein schwarzes Seil aus seiner Hosentasche.
„Streck mir deine …“ Auf einmal war er es, der leicht verblüfft innehielt, denn schon hielt Carola ihm ihre Hände hin, die Gelenke überkreuzt, und noch dazu sank sie anmutig auf die Knie nieder.
Schnell fasste er sich wieder, fesselte sie straff und zog sie an dem Seil wieder auf die Füße. Es tat weh; Carola biss sich auf die Lippen.
„Sehr schön“, meinte Markus, aber etwas wie Hohn und Sarkasmus schwang in seinen Worten mit. „Doch du weißt, dass das erst der Anfang ist, Sklavin.“
Wie hatte er sie genannt?
Aber was war sie im Moment denn, nackt und gefesselt und einem fast fremden Mann ausgeliefert?
„Nein“, hauchte Carola, „ich weiß noch immer nicht genau, was vor sich geht.“
Markus betrachtete sie forschend, kam wohl zu dem Schluss, dass sie die Wahrheit sprach.
„Du hast dir etwas gewünscht“, sagte er und hielt ihr den goldenen Würfel unter die Nase. „Du hast IHN besprochen. Und das bekommst du nun.“
Carolas meergrüne Augen weiteten sich. Kaskadenartig rauschten die Erinnerungen über sie hinweg. Ja, jetzt war alles wieder da! Der vergangene Abend. Die Party. Ofelia, schwarzhaarig und keck und gutgelaunt und für jeden Spaß zu haben. Ihre Freunde, Holger und noch ein weiterer Gast. Golden World, das ultimative „fastwirkliche“ Fantasyrollenspiel, das sie alle liebten. Das sie stets magisch in ihren Bann zog, in den Strudel abenteuerlich-romantischer Geschichten hineinsaugte, vielfarbig-funkelnd … Carolas Freude, dass Markus der Überraschungsgast war. Er brachte etwas mit. Ein REALTHING, wie er es nannte, direkt aus der Fantasywelt selbst, in der sich ihre erfundenen und von ihnen mit Leidenschaft gespielten Charaktere tummelten. Völlig ernst hatte Markus erklärt, wie der blitzende Würfel funktionierte, während er ihn am Boden hüpfen ließ.
Sie hatten alle gekichert … doch dann war Carola aufgesprungen und hatte den Würfel genommen und war mit ihm ins Bad gelaufen und hatte ihn dort flüsternd besprochen.
Meine geheime Sehnsucht ist, dass mich jemand nackt an einen Baum bindet und mir dann …oh, ich muss ja erklären, wieso und weshalb. Ich war mal in den Ferien, mit dreizehn, bei meiner Tante, und sie war … streng. Weil ich frech war und mutwillig eine ihrer Lieblingstassen zerbrach … nahm sie eine Haselgerte und legte mich übers Knie. Und das war schmerzhaft und demütigend und - total toll. Diese Hitze, die mein geschundenes Hinterteil durchströmte! Es machte mich an, damals schon, obwohl ich es nicht begriff; zwar weinte ich, aber es muss in meinen Augen auch ein anderer Ausdruck gewesen sein, und jemand hat meiner Tante heimlich dabei zugesehen, als sie mich züchtigte, ihr 15jähriger Sohn nämlich, mein Cousin Markus. – Ich sah, wie er uns beobachtete. Und als meine Tante freundlich fragte: „Na, wirst du dich nun besser betragen, Carola?“ und ich schluchzend antwortete: „Ja, Tante Marie“, dachte ich nur daran, dass ich mit Markus in den Garten gehen und mit ihm Indianer spielen wollte, obwohl ich aus dem Alter eigentlich heraus war … und leider kam es nicht dazu, er musste weg … und bitte bitte mein Mann Holger darf nichts von meinen geheimen Phantasien erfahren, er würde das nicht verstehen, er hält mich für eine ganz normale Frau …
Wortwörtlich und glasklar stand Carola alles wieder vor Augen. Ihr fiel auch an, dass Ofelia ihr verständnisvoll zugeblinzelt hatte, als sie zurückgekommen war. So, als läse sie Carolas Gedanken und tolerierte sie, oder sogar mehr als das ... Ofelia, die ihre eigenen Geheimnisse hinter Lustigkeit verbarg.

Widerstandslos ließ Carola sich nun von Markus in den Garten führen. Das taufeuchte Gras und die kleinen scharfen Kiesel unter ihren bloßen Füßen. Ihr Herz schlug einen Trommelwirbel. Wollust packte sie. Unaufgefordert umschlang sie ihren Lieblingsapfelbaum mit den Armen und Markus band sie an ihm fest.
„Ja Cousinchen“, flüsterte er sanft an ihrem Ohr, „ wir sind nie dazu gekommen, unser kleines Indianerspiel zu machen, oder? Dabei verdanke ich dir ´ne ganze Menge. Durch dich wusste ich schon sehr früh, was ich von Frauen wollte, und hab es dann auch bald in die Tat umgesetzt. Nur weil ich damals den Ausdruck in deinem Gesicht sah, diese Hingabe, diese … Erlösung – und ich fühlte, ich stand genau darauf: das in einer Frau zu erzeugen. Dieses Gefühl.“ Seine zärtlichen Hände glitten von hinten über ihr Gesicht, malten die Konturen ihrer Brüste nach, wanderten tiefer, strichen den wohlgerundeten Po entlang, und seine Fingerspitzen berührten sie auch an ihrer zartesten Stelle, nahmen ihre Feuchtigkeit auf.
„Ah“, machte er, während Carola wohlig stöhnte.
„Bist du bereit?“ Seine Stimme, freundlich.
Als sie nickte, schlug er augenblicklich mit der flachen Hand zu.
Sie schrie auf, mehr vor Schreck als vor Schmerz. Seufzte dann.
Er gab ihr mehr. Wieder und wieder klatschte seine Handfläche auf ihr zartes Fleisch, und dann nahm er die Haselgerte. Lust und Schmerz, Schmerz und Lust, bis Carola nur noch wimmerte. Er züchtigte sie, wie damals Tante Marie, seine Mutter, es mit ihrer Nichte gemacht hatte. Brennende Striemen hinterließen die Bisse der Gerte auf Carolas Gesäßbacken, und neben dem Schmerz steigerte sich auch ihre dunkle Lust.
„Bitte, nimm mich!“, flehte sie endlich, von heftigem Verlangen gepeinigt, doch Markus keuchte: „Nein, Süße! Ich würde zwar gern, aber diesen Wunsch hast du dem Würfel nicht gesagt …“
Inmitten schmerzgetränkter Wonnen spürte sie, dass das richtig war, und sie ächzte Holgers Namen … dann wurde ihr schwarz vor Augen.
„Carola?“ Seine Stimme - rau, wissend, erregt.
„Holger?“ Sie kniete im Bett, blickte ihrem Mann entgegen.
Er trat näher. Wie ihre grünen Augen funkelten und wie erhitzt ihre Haut war! Nie zuvor hatte er sie so gesehen. Er packte sie, und ihre leidenschaftliche Hingabe raubte ihm schier den Atem. Sie schrie kehlig auf, öffnete sich ihm, seiner harten Männlichkeit. Als er in sie eindrang, verschlang das flüssige Feuer der Lust sie beide für Zeit und Ewigkeit.
Irgendwo, an einem andersartigen Ort, saßen Markus und Ofelia auf einem Sofa und sahen zu. Sie blickten gebannt in den Würfel, der sich zu einer goldfarbenen Leinwand aufgebläht hatte.
„REALTHING-Magie“, sagte Markus und grinste. Und drehte sich dann zu der schwarzhaarigen wohlgeformten Ofelia. Nackt saß sie neben ihm und ihre Schenkel waren gespreizt, schimmerten feucht und verführerisch.
„Hast du die Haselgerte noch?“, fragte sie sanft, aber ein gieriger Unterton schwang in ihrer Stimme mit.
„Gewiss.“ Er betrachtete sie und fühlte seine Erektion, genoss die sich verdichtende Spannung zwischen ihm und der rätselhaften Ofelia mit den schelmisch blickenden Augen. Ihm schien, als sei sie ein Phantasiewesen, direkt aus Golden World entsprungen, das seine Devotheit nur spielte, und bewusst streng und grob befahl er ihr, ihm den Arsch hinzustrecken. Sie gehorchte auf der Stelle, lächelnd, bückte sich, stützte die Arme ab auf der Sofalehne. Das erlaubte er ihr, denn er hatte vor, sie viel härter zu schlagen als die Debütantin Carola, er kündigte Ofelia dies an, sie seufzte nur „ja, bitte, bitte …“, und als er ihren hellgoldenen Hintern mit purpurnen Striemen zeichnete, schrie sie laut und wand sich, und erst nach 30 Hieben ließ er von ihr ab und fickte sie, und das Reich der Phantasie war endgültig mit der Wirklichkeit verschmolzen.