Aus Liebe (Teil 1)
Für den einen, den einzigen, den einzigartigen... den meinen.
I.
“Komm her!“ fährst Du mich an. Ich schrecke zusammen. Etwas überzogen, Deine Reaktion wie ich finde. Vielleicht auch nur ein Scherz? Nein, Dein Gesichtsausdruck lässt keinen Zweifel. Du meinst es ernst. Ich klettere von den Steinen, die rund um das Naturdenkmal – eine über 100 Jahre alte Eiche - aufgeschüttet wurden und steige über die Absperrung, die es Besuchern verbietet, sich dem Koloss auch nur ansatzweise als bis auf 5 Meter zu nähern. Ich habe sie natürlich missachtet. Es ist Ende April und ungewöhnlich warm für diese Zeit, ach, was sag ich, gerade zu heiß. Dennoch, außerhalb der Saison, ist hier niemand außer uns, warum soll ich also als einziger Tourist, mir das ach, so wichtige Gewächs nicht auch aus der Nähe ansehen? Ja gut, Du warst dagegen. Ja, Du hattest mir sogar noch nachgerufen, ich solle nicht über die Absperrung treten... und jetzt siehst Du mich an, als hätte ich ein schweres Versprechen begangen. Als wüsste ich, worum es ginge; ich habe keinen blassen Schimmer, trotzdem gehorche ich und trete vor Dich hin. Du musterst mich von oben herab. „Du kannst nicht hören, oder?“ Ich grinse Dich provozierend an: „Hätte ich denn gemusst?“ Deine Augen fixieren mich. „Du weißt, was das bedeutet?“ Nein, weiß ich nicht, wirklich nicht. Ich schaue Dich fragend an, Du nickst. Ich schüttle den Kopf und fange an zu lachen: „Nein, oder? Das ist ein Fehltritt?“ In der Ferne höre ich das Grummeln eines heranziehenden Gewitters. „Ich dachte, es sei klar, woran du dich zu halten hast.“ – „Das ist es auch.“ – „Scheinbar nicht.“ – „Doch, doch“, versichere ich. Allmählich wird es mir unheimlich. Du wendest Dich ab und schlenderst zu der Sitzgruppe in der Nähe. Das Holz ist bereits von Wind und Wetter abgenutzt - zwei Bänke, in der Mitte ein Tisch - eine Art Rastplatz in der Nähe der Sehenswürdigkeit. Ich sehe einen Blitz über den Himmel zucken und zähle langsam in Gedanken 1, 2, 3, 4... wenig später folgt der Donner. Lauter als vorhin. Langsam kommt Wind auf. Sollten wir uns nicht auf den Heimweg machen? Ich folge Dir zu dem Tisch. Du bleibst ganz ruhig, keine Regung, kein Wort. So stehe ich eine Weile, wie es mir vorkommt, ziemlich dumm herum und bin etwas unschlüssig, was ich tun soll. Sollte ich noch einmal beteuern, dass ich sehr wohl wüsste, woran ich mich zu halten hätte? Sollte ich mich entschuldigen? Ha, wofür? Nur, weil ich die Absperrung übertreten habe? Wieder ein Donner; fast wie eine Bestätigung meiner Gedanken. Der Wind wird stärker, zerrt an Bäumen und Büschen, an meinem Haar und dem kurzen hellblauen Sommerkleid. „Sollten wir nicht besser gehen?“ – „Nein!“ kommt es von Dir. Kämpfst Du mit Beherrschung? Was hast Du vor? Worüber regst Du sich so auf? Was geht Dir durch den Kopf? Was passiert, wenn Du explodiert? Jetzt kriecht die Angst durch meine Glieder. Ich beginne zu frösteln, reibe mir mit den Händen die Oberarme, wage mich aber nicht vom Fleck zu rühren, wage kaum zu atmen. Die Luft ist drückend, der Himmel hat sich verdunkelt, dennoch kann man die grauen Wolken ziehen sehen. Der Wind wirbelt Sand, Blätter und trockenes Gras durch die Luft; die Eiche zeichnet sich unheimlich vom Firmament ab. Wieder ein Blitz, ich zähle, 1,2... und schrecke zusammen, es muss ganz in der Nähe sein. Die Spannung ist kaum auszuhalten. Sollten wir nicht Schutz suchen? „Bald wird es regnen...“, weiter komme ich nicht, denn Du wendest Deinen Blick zu mir, so dass es mir die Sprache verschlägt und meine Knie weich werden. Deine Augen bohren sich tief in meine, als wolltest Du in mein Inneres vordringen. Ich weiche erschrocken zurück, doch Du packst mich blitzschnell am Arm. „Was glaubst du, wer du bist?“ fragst Du mit Mühe, Dich unter Kontrolle zu halten. Ich will sprechen, breche jedoch immer wieder ab. Furcht vor dem Ungewissen. Mein Mund ist trocken, mein Herz hämmert gegen meine Brust, meine Gedanken durcheinander, ein weiterer Blitz am Himmel, mit einem kurz darauf folgenden Donner, der mir in den Ohren dröhnt, mein Arm in Deinem eisernen Griff, Deine bohrenden Augen. „Antworte!“ schreist Du mich an. Plötzlich lässt Du meinen Arm los und gibt’s mir rechts und links eine Ohrfeige. Erblassend, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Was willst Du hören? Was ist die richtige Antwort? Es macht mich nervös, die Umgebung, das Gewitter, die Situation, scheinbar ausweglos, fern ab von allem. „Ich weiß nicht, was Du hören willst...“, beginne ich leise. „Soll ich’s dir zeigen?“ Der Ton Deiner Stimme verunsichert mich, doch ich nicke langsam. Plötzlich erhellen sich Deine Augen, ein Funkeln, das nur einen Herzschlag lang zu erkennen ist, gefolgt von einem selbstgefälligen Grinsen. Oh, wie ich das hasse! Du weißt, dass ich es nicht mag und kostest diesen Augenblick wirklich aus – Sekunden, die sich unangenehm in die Länge ziehen. Dafür hasse ich Dich gleich noch mehr! Meine Nerven sind zum Zerreißen gespannt – unerträglich.
Ich kann Deinen Blick nicht aushalten und schließe die Augen. „Sieh mich an!“ Ich öffne sie wieder, halte meinen Blick aber gesenkt. Ich kann es nicht ertragen, Dich anzuschauen. Hart packst Du mich am Kinn, zwingst mich, Dich anzusehen. Unausweichlich Deinen Augen ausgeliefert, die mich unaufhörlich durchleuchten, zittere ich vor Aufregung und weil mir bewusst wird, dass kein Gedanke, kein noch so kleiner, ja, nicht einmal das, was ich gerade empfinde, Dir verborgen bleibt. Da ist es wieder, das Grinsen, das ich so sehr hasse! „So ist es brav“, schmeichelst Du mir. Du wiegst mich in Sicherheit, bestimmt um dann gleich wieder loszudonnern. Ich lauere darauf. Doch Du donnerst nicht. Stattdessen folgt ein weiterer Blitz und ein Donner direkt über uns, der mich aufschrecken lässt. Bestimmt fängt es gleich an zu gießen. Du nimmst Deine Hand von meinem Kinn, siehst mich dennoch unerbittlich an. Kann mich nicht wehren und die Macht, die Du über mich zu haben scheinst, überwältigt mich, dass ich meinen Blick wieder senke. „Süße, ich weiß doch, dass es dir gefällt.“ Wieder dieses Grinsen. Ich schlucke nervös. Wie auch hätte ich das verbergen sollen? Du kennst mich gut, verdammt gut. Zu gut. Manchmal macht es mir Angst, aber ich kann nichts dagegen tun. „Hier“, fährst Du im herrischeren Ton fort, „geht es jedoch nicht darum, dass es dir gefällt. Ich glaube, ich muss etwas klar stellen!“ Ich nicke artig, obwohl ich nichts verstehe. Ich fühle mich etwas unschlüssig, was jetzt kommt. Und Du scheinst selbst mit der Fassung zu ringen, völlig benommen von dem, was Du vorhast. Es macht mir Angst, so sehr Angst, dass ich fast verdränge, wie viel Lust es mir gleichzeitig bereitet.
Wieder ein Blitz, ein Donner, ich fahre erschrocken zusammen. Den Moment meiner Unachtsamkeit ausnutzend, wirfst Du mich auf den Holztisch. Ich stoße mir die Hüftknochen an der Kante, unterdrücke jedoch den Aufschrei. Auch mein rechter Zeh wird in Mitleidenschaft gezogen. Mein Oberkörper liegt flach auf dem harten Holz, ich fühle es durch den Stoff meines Kleides an meinem Bauch, trotz des Schrecks angenehm. Du schiebst mir das Kleid hoch, dass sich mein Hintern vor Dir entblößt und siehst, da ich kein Höschen trage, der puren Nacktheit entgegen. Mit einer schnellen Bewegung ziehst Du Deinen Gürtel aus der Hose und noch bevor ich überhaupt damit rechne, trifft mich bereits der erste Schlag. Schreie. Erst Sekunden später wird mir bewusst, dass ich geschrieen habe. Doch was ist größer, die Überraschung, der Schmerz, die Empörung? „Ich will, dass du gehorchst, uneingeschränkt. Hörst du?!“ Meine Kehle ist wie zugeschnürt. Ja, ja doch, natürlich. Doch ich bringe kein Wort heraus. Ein zweiter Schlag. Und ein dritter. Meine Hände klammern sich um die Tischkanten. „Ich dulde keine Verfehlung, nicht eine einzige. Hörst du?!“ Ja, ja, ja. Mögest Du mich strafen für den Fehltritt. Und für all die vorherigen. Ich schließe die Augen. Noch zweimal trifft mich Dein Gürtel. Habe ich es doch verdient. Hätte ich nicht auf Dich hören müssen? Hätte ich. Ich höre mich selbst wimmern, der Schmerz und die Reue treiben mir die Tränen in die Augen. Es folgen noch zwei weitere Schläge. Oh, mögest Du mich strafen für alle Vergehen, auch für die, die noch kommen werden. Nur mit Mühe scheinst Du Dich selbst unter Kontrolle zu haben. Viel zu sehr reizt Dich mein Anblick, schreiend, den Schmerz erduldend, so offen, feucht und willig, wie ich mich Dir darbiete. Dich nicht auf mich zu stürzen, mich nicht gleich zu nehmen, kostet Dich Kraft und mich erfüllt es mit Stolz, Dich an den Rand der Besinnung bringen zu können.
Ein weiteres Mal saust Dein Gürtel nieder. Doch Du denkst nicht daran, mich zu erlösen. Weidest Dich an meiner Lust, in der ich mich vor Dir winde. „Willst du, dass ich dich ficke?“ fragst Du plötzlich. Vor lauter Scham wäre ich am liebsten im Boden versunken und so schließe ich einfach die Augen, in der Hoffnung, niemand könne mich sehen. Du weißt es doch. Warum müssen wir noch darüber reden? Und müssen wir es auf diese Art und Weise tun? Du weißt, dass ich das nicht mag. „Glaubst du, du hättest das verdient? Wo du dich doch so gegen meine Anweisung gestellt hast.“ Du hast Recht, verdient habe ich es nicht. Dennoch reißt Du Dir Deine Hose herunter und schon spüre ich Dein Geschlecht nah an meinem Eingang. Ich recke mich Dir entgegen, doch Du weichst jedes Mal aus. „Das ist unfair“, keuche ich. „Ach ja? Und wie unfair ist, dass du dich nicht an meine Regeln hältst? Was soll ich denn denken?! Dass du mir nicht folgen willst? Dass du mich gar verhöhnst? Dass du nur bettelst und folgsam bist, wenn du es willst?“ Plötzlich überkommen mich Zweifel. Meine Erregung lässt nach. Glaubst Du wirklich, ich würde mich nicht fügen wollen? Da ich Dich nicht sehe, bleibt mir Dein Lächeln verborgen. „Doch… doch… natürlich halt ich mich dran“, stottere ich, „es war nur ein Versehen, ein Ausrutscher, etwas das nicht wieder vorkommt.“ Ob ich dieses Versprechen je halten kann, weiß ich nicht, aber in diesem Moment ist es mein purer Ernst. Wieder klopft Dein Geschlecht sanft an meine Pforte. Bitte, bitte, bettle ich in Gedanken, nimm mich. Jetzt! Hier! Gleich! „Und das soll ich dir glauben?“ – „ Ja doch, ja. Ich werde mich an alles halten. An Alles. Ich gehöre Dir, Du kannst mich nehmen wie Du willst.“ Du schweigst und zögerst. Dann scheinst Du damit einverstanden:„Gut, ich nehme dich beim Wort.“ Mit einem Stoß dringst Du in mich ein. Ich stöhne auf, vor Schmerzen. Ich bin nicht bereit, Dich aufzunehmen. Zu sehr war ich mit meinen Gedanken beschäftigt. Zu sehr haben Deine Zweifel meine Erregung gebremst. Doch Du drängst Dich unbeirrt in mich hinein, ungeachtet des Widerstands, der sich Dir bietet. Nach einigen Stößen, geht es leichter. Du schnalzt belustigt mit der Zunge:„Es gefällt dir wohl, was?“ Unfähig zu antworten, liege ich auf dem Tisch, keuchend, schwitzend und klammere mich verzweifelt um die Tischkanten links und rechts, um Halt zu finden. Deine eine Hand wühlt in meinen Haaren. Immer wieder stößt Du in mich hinein, als wolltest Du in alle Regionen vordringen, mich ganz und gar in Beschlag nehmen. Deine Hände packen mich an den Hüften. Deine Nägel bohren sich schmerzhaft in meine Haut. „Du gehörst mir, mir ganz allein!“ presst Du zwischen den Zähnen hervor. Ja, ja, ja. Völlig von Sinnen, als wollest Du mich beherrschen, mein Körper in Besitz nehmen, drängst Du Dich mehr und mehr in mich hinein. Ich glaube schon, dass Du die Kontrolle verlierst, als Du Dich plötzlich aus mir zurückziehst. Du gönnst uns beiden nicht den Abschluss. Für mich ist es eine Strafe, aber warum hältst Du Dich zurück? Schwer atmend lässt Du von mir ab. Ich erhebe mich. Der Himmel hat noch immer seine Schleusen nicht geöffnet, obwohl längst Weltuntergangsstimmung herrscht - tief hängende Wolken, bereit den Regen über die Erde zu ergießen. Ich realisiere wieder einen Blitz und einen krachenden Donner.
Mir schmerzen die Gliedmaßen; das Holz hat in meinen Händen brennende Abdrücke hinterlassen. Und trotz der Feuchtigkeit schmerzt die empfindliche Stelle zwischen meinen Beinen, von den Spuren, die Dein Gürtel auf meiner Kehrseite hinterlassen hat, ganz abgesehen. Ich drehe mich zu Dir um, da bemerke ich die ersten Regentropfen.
Leicht schwankend, mit weichen Knien, stehe ich Dir gegenüber, atemlos, wirr im Kopf, mit Herzklopfen, die Gedanken noch immer nicht sortiert, Gefühle in Aufruhr, heiß und unbefriedigt.
Vor Dir fall ich auf die Knie:„Danke Herr.“ Ein zufriedenes Lächeln von Dir. „Ich liebe Dich“, flüstere ich gedämpft. Und ich vermute schon, dass Du es gar nicht gehört hast, aufgrund der Naturgewalten, die über unseren Köpfen toben. Doch Du streichelst mir mit der Hand beruhigend über den Kopf und sagst:„Ich weiß.“
Und leise fällt der Regen.
Desideria
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