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Während ich die Straße entlang husche spüre ich, wie mir der Regen durch die Haare rinnt, wie selbst mein Schirm seinen Zweck verfehlt und mir so die Haare strähnig in den Nacken legt. Das ist das letzte was ich nun noch gebrauchen kann, denke ich bei mir. Doch unerbärmlich und unaufhaltsam rinnen die Himmelstränen weiter, rinnen unter mein Shirt und nehmen Besitz von meinem ganzen Körper, durchweichen ihn und jagen mir einen Gänseschauer über den Rücken. Ein ganz normaler Freitagabend im Oktober. Ich sollte demnächst meine Jacke vom letzten Jahr hervorsuchen, denke ich bei mir.

Der Weg vom Bahnhof bis zu SEINER Tür zieht sich, erscheint mir immer länger, und ich muss meine Schritte ankurbeln, ja schneller werden, um meiner Pflichterfüllung Herr zu werden und doch nie der Herr zu sein. Ich sause vorbei an Familienvätern die von der Arbeit kommen, Frauen die Einkaufstaschen aus dem Auto schleppen und die Vorbereitung all dieser Menschen auf das Wochenende ist deutlich zu spüren. Ein Alltagswochenende, das diese Familien führen, Normalität wie sie es nennen, und aus dem sich so viele auszubrechen wünschen. Nein ich nehme mich bestimmt nicht davon aus, auch meine Wochenenden sind mir vertraut, Gewohnheit gewordene Routine, und doch immer etwas Besonderes, denn in meinen Wochenenden, die eigentlich SEINE Wochenenden sind, bin ich ganz ich selbst, bin die, die sich ganz für ihren Lebenszweck IHM zu dienen dahingibt.

Endlich die Tür, hastig schließe ich sie auf. Ich eile die Treppen hinauf und mit kurzem prüfendem Blick tasten meine Augen die Wohnung ab. Ich weiß was ER von mir erwartet, wusste, wie ER die Wohnung bei SEINER Ankunft vorfinden wollte. Ja, alles drehte sich tatsächlich in diesem Augenblick nur um SEINE Ankunft, um IHN. In Windeseile lehre ich den Mülleimer, erledige den Abwasch, lege die zurückgeschlagene Bettwäsche ordentlich Kante an Kante. Ich wusste, ER würde es später genauestens überprüfen. Ich bereite das Abendessen vor, feuere den Kamin an, und finde gerade noch Zeit schnell zu duschen, um mir die Spuren des Tages vom Körper zu spülen. Dieses Duschen ist immer ein Teil auch Ritual. Denn mit dem freitäglichen Duschen begebe ich mich in eine andere Welt, in SEINE Welt.
Ich ziehe mir das Korsett an und die halterlosen Strümpfe die schon für mich bereitliegen. Ich brauche nicht zu fragen, und ich hätte nie gewagt zu widersprechen. Sie liegen einfach da, auf einem Kissen auf dem Fußboden vor dem Sofa, auf meinem Kissen. Dieses Kissen ist das einzige, was ich hier tatsächlich "Mein" nennen würde. ER hat also diese Kleidung für mich rausgesucht und ich werde sie nun tragen, so lange wie ER ebendieses wünscht. Mir ist es gleich, ich tue es, um IHM - nur IHM - zu gefallen. Mein Wille spielt dabei keine Rolle, wobei nicht ganz, denn mein Wille ist immer nur einer, IHM vollendet zu gefallen.

Nach dem Abendessen sitze ich auf dem Kissen vor dem Sofa. Ich sitze im Schneidersitz, meine Hände auf meine Schenkel gefaltet. ER liegt hinter mir, seit Stunden. ER mag es nicht, wenn ich mich umdrehe oder mein neugieriger Blick seinen Körper streift. Ich begehre IHN in diesen Momenten der Nähe, tief in mir steigert sich mein Verlagen nach IHM immer wieder in die Unendlichkeit der Sinne. Ich genieße es, IHN so nah bei mir zu wissen, und ich weiß, dass er es schätzt, dass ich für ihn da bin. Einfach nur da bin, um seiner Selbst Willen.

Ich vermute, dass er eingeschlafen ist. Seit seiner Ankunft vor 3 Stunden hat er mir einen gehauchten Kuss gegeben und mir hallo gesagt, dabei überkam ein leichtes Lächeln seine Lippen. Dies war mir Lohn genug. Ich brauche keine großen Worte und so saß ich in Gedanken versunken vor ihm auf meinem Kissen.

Da spüre ich einen leichten Luftzug hinter mir, "Bring mir einen Kaffee". Kein bitte, es war auch nicht erforderlich, es bedarf keiner Bitten, ihm Wohlgefallen zu bereiten. Ich eile mich in die Küche, setze den Kaffee auf, Schwarz, mit zwei Stücken Zucker und bringe ihm wenige Minuten später die Tasse ans Sofa. Ich nehme wieder auf meinem Kissen vor ihm platz und spüre seine Hand von hinten durch meine Haare streichen. Es ist seine Art sich zu bedanken. Er muss es nicht, doch er tut es. Für diese Gesten der Zuwendung liebe ich ihn. Jedoch nicht nur für diese, ich liebe ihn, weil er ist, was er ist, und mir eine Stellung gibt, in der ich ihn achten kann. Ich darf schwach sein, und zeuge gleichfalls von übermächtiger Stärke. Wer dies nicht glaubt, der finde eine Frau, die bereit ist, sich grenzenlos unterzuordnen, er wird lange suchen müssen. Doch ich mag auch jedes Mal aufs Neue die größeren Gesten seiner Zuneigung, wenn er mir sein Verlangen zeigt. Ja ich genieße auch jedes Mal unendlich die körperliche Liebe mit ihm, wann immer er dies will.

Wieder Stille. Zwischendurch höre ich in meinem Nacken wie er die Tasse zu seinem Mund führt, einen Schluck trinkt und sie wieder abstellt.
Und noch einmal, dabei erklingen diesmal seine Worte "Dreh dich um". Sie hallen noch kurz in mir nach, sie sind Signal, denn wenn er mich anschauen will, dann hat er vor, mit mir zu reden. Ich mag es wenn er redet, es gibt nichts Schöneres als dem Klang seiner Stimme zu lauschen, seinen Gedanken zu folgen, und mich am Gespräch beteiligen zu dürfen. Ich sehe ihm direkt in die Augen, er lässt sich Zeit mit seinen Worten, nimmt einen nächsten Schluck aus der Tasse.
"Ich werde mir eine weitere Frau suchen. Für dich wird sich nichts ändern, du bleibst die Meine. Ich werde mich gelegentlich mit ihr treffen, wann immer es mir beliebt." Mehr sagt er nicht, das sind seine kurzen und doch prägnanten Worte. Mehr ist nicht erforderlich.
"Natürlich" erwidere ich und drehe mich wieder in meine Position. Ich verstehe seinen Wunsch nach Abwechslung und gestehe ihm diesen freudig zu. Ich möchte einen glücklichen Herrn, denn dies macht mich glücklich. Im Schneidersitz lege ich wieder meine Beine übereinander, diesmal verschränke ich die Arme hinter meinem Kopf denn langsam beginnen sie zu schmerzen.

Eyleen Egg
bizarresschreiben@yahoo.de