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Junichiro Tanizaki wurde am 14. Juli 1886 wurde als Sproß einer alten Kaufmannsfamilie in Nihombashi/Tokio geboren. Bereist in der Schule beeindruckt Tanizaki mit seinem poetischen Talent und beginnt 1908 an der Kaiserlichen Universität Tokio das Studium der Literatur. Die Veröffentlichung seiner Erzählung (Irezumi) im Jahre 1910 machen ihn über Nacht berühmt. Reichlich gewürzt mit Ironie beschreibt er in „Tätowierung“ seine ersten und wohl bekanntesten Helden. Die Kurzgeschichte erzählt von Seikichi, einem für seine sinnlichen Tätowierungen bekannten Künstler, der die Schmerzensschreie seiner Kunden genießt, und sie sogar als musikalische Muse benötigt. Dann lernt er ein junges Mädchen kennen und entdeckt in ihr die perfekte jungfräuliche Leinwand. Seikichi beginnt sein Kunstwerk und weidet sich an ihrem Schmerz. Nach und nach entsteht eine große schwarze Spinne auf dem Rücken des Mädchens. Doch als er fertig ist, hat sich auch das Mädchen verändert und der Künstler seinerseits verfällt dem selbstgeschaffenen Schönheitsideal.
"Ihr, Meister, werdet mein erstes Opfer sein" schreit sie ihm ins Gesicht.
Nach dem Erfolg seines Erstlings verlässt Tanizaki die Universität um sich fortan nur noch dem Schreiben zu widmen. Bis zu seinem Tode 1965 wird er 112 Titel fertig stellen.

Tanizakis Protagonistinnen waren immer Frauen, die grausam waren und seltsamen Obsessionen nachgingen. Seine Werke handeln stets von der Schönheit; der körperlichen wie der geistigen, egal ob es Drehbücher, Essays oder Romane sind. Zu damaliger Zeit provozierten seine Texte Diskussionen über die Unmoral, da sich die erotische Fantasien stets entlang der Grenze des „Abartigen“ bewegen.
Zum Beispiel beschreibt er in seinem Buch „Biografie der Frühlingsharfe“ einen Mann, der sich das Augenlicht nimmt, als sich die angebetete und grausame Harfenlehrerin ihr Gesicht verbrüht und entstellt ist.
1923 siedelt er nach dem großen Erdbeben nach Kyoto über und lässt Frau und Kinder zurück.
Er übersetzt 1932 das Genji Monogatari (Die Geschichte vom Prinzen Genji) ins moderne Japanisch.
1933 entsteht „Lob des Schatten“, in dem er die zurückhaltende Schönheit Japans der westlichen Glitzerwelt entgegen stellt. Seine Bücher beschreiben stets den Kampf von jung gegen alt und von West gegen Ost.
1943/48 entsteht mit „Die Schwestern Makioka“ ein großangelegter Familienroman über das Schicksal von vier Töchtern einer Bürgerfamilie in Osaka.
Sich auf eine ur-japanische Auffassung von Schönheit zurückzubesinnen wurde 1937 mit der Mitgliedschaft in der Japanischen Akademie der Künste und 1949 mit der höchsten Auszeichnung, der Kaiserlichen Medaille für Kultur belohnt.
Dass Schönheit und Grausamkeit im japanischen Ideal nahe Verwandte sind, weiß man auch bei uns spätestens aus Filmen wie Im Reich der Sinne oder Die tätowierte Frau und so verwundert es kaum, dass auch bei Tanizaki Schönheit stets in Verbindung mit Grausamkeit auftritt.
Schönheit ist Macht und seine Heldinnen nützen ihre Macht aus. Die Männer sind immer dann am Glücklichsten, wenn sie psychisch und physisch missbraucht werden. Hier steht Tanizaki sehr nahe bei Leopold von Sacher- Masoch.
1956 veröffentlicht Tanizaki seinen gefeierten und gescholtenen Roman „Der Schlüssel“. Dort schildert er die qualvollen Versuche eines alten Mannes, seine Erotik wieder zu erlangen, und provoziert damit prompt eine Kontroverse über die Unmoral des Romans. Das Buch wurde später von Tinto Brass verfilmt.
Lange Zeit galt er als Kandidat für den Nobelpreis, erhalten hat er ihn allerdings nie.
Sein letztes Buch „Tagebuch eines alten Narren“ schreibt Tanizaki 1962.
Am 30. Juli 1965 stirbt er in Tokyo.