Jim Zimmermanns Werke fielen uns auf, weil er teilweise noch mit Polaroids arbeitet und erstaunliche Ergebnisse produziert. Er erzählt kleine, subtile Geschichten, belässt den Modellen aber immer ihre Intimsphäre ... auch wenn sie ihre Nacktheit zeigen.
Das Interview
1) Wie bist Du zur Fotografie gekommen?
Durch den Vater, der die Familie, Reisen und Urlaub fotografierte.
Er gab mir die legendäre Agfabox mit dem Negativformat 6x9cm, später eine alte Robot mit mechanischem Filmtransport im Format 24x24mm. Die technische Seite an der analogen Fotografie fasziniert mich noch heute, wobei sie für die Aussage eines Bildes ohne Bedeutung ist.
Mein Weg führte über das Fotografieren beim Tango Argentino, bei Theaterproben, von Musikern und Konzerten zu Portraits, Körperportraits, erotischen Szenen und Experimenten, die unter anderem von der Lomographie beeinflusst wurden und von der Arbeit mit Polaroids.
2) Wo holst Du Dir Deine Inspirationen?
Fotos wollen gemacht werden. Ein Gesicht, ein Körper, eine Theaterprobe, eine Straßenszene, Musiker, Tango - die Ideen entstehen bei zufälligen Begegnungen, während der Arbeit, auf der Straße, im Kino, im Alltag. Wo sie nicht sofort verwirklicht werden können, gären sie im Kopf und zwar viele gleichzeitig. Irgendwann passiert es dann: die richtige Situation, der richtige Mensch und ich kann die Idee realisieren. Da ich keine Werbung, Beauty oder Produkte fotografiere, bin ich sehr frei, auch bei Aufträgen.
3) Möchtest Du etwas bestimmtes in Deinen Werken ausdrücken?
Ich mache Fotos ohne theoretischen Überbau und kann sie auch nicht erklären. Entweder Du verstehst sie oder Du verstehst sie nicht.
Sie sollten sich eine gewisse Unsichtbarkeit bewahren.
Wenn Fotos mit großem BlaBla überzogen werden, frage ich mich, was von dem Bild übrig bleibt ohne diese Erklärungen; das ist gut für´s Geschäft aber nicht mein Ding.
Die Wirkung meiner Bilder entspringt keiner bewußte Absicht - außer, dass sie authentisch sein sollen, z.B. auch beim fotografieren von erotischen Posen. Melancholisch sind sie von selbst.
Das Portrait ist wunderbar, weil es verschiedene Wesenszüge eines Menschen zeigen kann; zeigen, wie er aussieht, wenn er fotografiert wurde. Das Portrait ist grausam, weil es die Sterblichkeit drastisch vor Augen führt.
4) Welches Bild ist Dein Lieblingsbild und warum?
Schwer. Vielleicht haben meine Bilder einen eigenen Stil, aber thematisch bin ich nicht festgelegt, darum kann es nicht das eine Bild sein. Aus dem Genre Erotik gefällt mir die Aufnahme "Anais Nin" im Tunnel mit den Graffitis recht gut.
5) Was fasziniert Dich an Polaroid-Fotos?
Ihre unnachahmliche Weichheit, ein Charme, der sich kaum erklären lässt.
Es sind Sofortbilder und es sind Originale, Unikate! Positive Originale, es gibt kein Negativ, außer bei den fantastischen Polapan/Polachrome - Diapositiven, die werden aber seit Jahren nicht mehr produziert. Und Polas waren schon immer gut für Erotisches und Pornographisches, weil man nichts ins Labor bringen mußte. Ein Tipp für Fans: polanoid.net gibt jährlich das Magazin "TickL" mit Pornart heraus.
6) Du erwähnst „Lomographie“ - was ist das, was verbindet Dich damit?
Die Lomographie, also spontanes Aufnehmen des Alltags, ohne auf überkommene Regeln zu achten, ohne Bildregie - das war ca. 1995 ein Befreiungsschlag gegen die auf gängige Schönheit und Perfektion bedachte "anspruchsvolle" Amateurfotografie. Die Überraschung beim Abholen der Filme - das prickelt!
7) Wo kann man Dich bzw. Deine Bilder demnächst live erleben?
2009 wird es vermutlich keine Ausstellung in Deutschland geben. In Bergen/Norwegen startet im Frühsommer eine Ausstellung über das letzte Theaterprojekt "Dienstagwelt", eine Kooperation des Stuttgarter "TheaterAmFenster" mit dem Obdachlosentheater "Ratten07 aus Berlin. für 2010 plane ich eine Serie von manuellen Fotomontagen, die ich in der Galerie ZeroArts in Stuttgart zeigen möchte.
8) Wo kann man Deine Werke kaufen?
Bei mir. Auch das Tangobuch "The Rhythm and Movement of Buenos Aires", das bei edel in Hamburg erschien, 2007 in der 2. Auflage. Das gibt es natürlich auch im Buchhandel.
9) Wen würdest Du gerne einmal fotografieren?
Jane Birkin, Charlotte Rampling und Tom Waits
10) Was planst Du als nächstes?
Ein Buch mit den geheimnisvoll-erotischen Aufnahmen, aber das dauert noch.
Eine befreundete Autorin wird dazu Kurzgeschichten schreiben.
Das Thema Körpertext werde ich forcieren und die direkte manuelle Bearbeitung von 6x6 Negativen.
Außerdem möchte ich mich stärker mit der Problematik der Klischees auseinandersetzen, gerade im Bereich Erotik/Akt bedient man sehr schnell gängige Klischees, wenn man sich diese nicht bewußt macht.
11) Was macht Jim Zimmermann, wenn er nicht fotografiert?
Grübeln, welche Bilder gut und welche schlecht sind.
Lernen, wie man Videos und Super 8 - Filme schneidet.
Tango tanzen.
Rotwein trinken.
Geschirr spülen.
12) Eine Fee schenkt Dir drei Wünsche
Politisch würde es ausufern. Bleiben wir bei der Fotografie:
a) Ein Fotoatelier im 10. Arrondissement in Paris am Canal St.Martin beim Hotel Du Nord
b) Kodak produziert die wichtigsten Filme bis 2050
c) Fuji setzt die Produktion der Polaroid-Filme fort.
Vielen Dank für das Interview.
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Biografie
- Freischaffender Fotograf seit 2005
- Autodidakt, davor Freier Architekt
- Seit 1969 in Stuttgart
- Geboren und 18 geworden in Offenbach am Main
Kontakt
http://www.fotorosso.de











