Klappentext
4 Frauen auf der Jagd.
Sie wollen Rache üben für alles, was die Männer den Frauen angetan haben.
Subtil, unbarmherzig und sehr lustbetont...
Leseprobe 1
Dem Bild des ahnungslosen Betrachters mögen die vier Frauen so unterschiedlich erscheinen, dass es kaum denkbar ist, für sie einen gemeinsamen Nenner zu finden.
Würde man diesem Betrachter Informationen bezüglich Status und Herkunft der Frauen zukommen lassen, ergäbe sich jedoch bereits die erste Gemeinsamkeit.
Stinkreich sind sie! Alle vier. Aus den Fenstern ihrer Residenzen, hoch auf einem Hügel gelegen, dessen Baugrundstücke ausschließlich der Oberschicht vorbehalten sind, blicken sie von Zeit zu Zeit, sich der vollkommenen Aussicht nicht einmal mehr bewusst, hochnäsig hinunter ins Tal. Dorthin, wo geschäftiger Betrieb herrscht. Dorthin, wo sich das „gemeine Volk“ bewegt.
Doch Reichtum und Dünkel sind nicht die einzigen Faktoren, die jenen Frauen gemeinsam sind, die sich momentan lässig auf Agnes’ teuren, mit seidenem Rosendruck verzierten Sitzpolstern lümmeln. Gemeinsamkeit Nummer zwei besteht in einer Art grausamer Langeweile, von der viele dieser weiblichen Spezies befallen werden, wenn Exklusiv – Urlaube, Shopping - Touren in den teuersten Läden der Stadt und die kaviarbestückten Häppchen - Parties zum x-ten Male in die Wiederholungsschleife geraten sind und somit merklich an Reiz verloren haben.
Im Grunde sind sie sich nicht einmal grün, die Hochwohlgeborenen. Genau genommen kann die ein oder andere diese oder jene in der Runde auf den Tod nicht ausstehen! Zerfressen von Neid und Eifersucht lauern sie wie die Tigerinnen auf jedes auch noch so kleine Zeichen von Schwäche, um dann erbarmungslos zuzuschlagen und mit von Sarkasmus triefenden Liebenswürdigkeiten oder auch gewollt ironischen Bemerkungen die langen, manikürten Krallen in die makellose Haut der jeweils anderen zu schlagen – natürlich nur im übertragenen Sinne.
„Ja, was machen die denn nun eigentlich dort, in scheinbar friedlicher Eintracht?“ fragt sich nun der Betrachter. Zu Recht.
Ganz einfach: Es gibt etwas, dass die Vier tatsächlich verbindet, auf skurrile Art zusammen schweißt, sozusagen unter dem Deckmantel einer Verschwörung:
Eine schier unstillbare Gier nach sexuellen Exzessen! Das ist es. So sieht es aus, das WAHRHAFTIGE Verbindungsglied.
Nun mag sich der Betrachter entweder verlegen zurückziehen oder aber die Gelegenheit nutzen, um an einem weiteren exzessiven Abenteuer der „Jägerinnen“ – wie sie sich selbst zu nennen pflegen - teilzunehmen.
Bereits die Begrüßung ist heute anders ausgefallen als sonst, erinnert sich Agnes, die Gastgeberin. Nichts mit:
Küsschen hier, Küsschen da – „Hach, siehst DU heute wieder gut aus!“ –
An ihr vorbei gestürmt ist die stöckelschuhbestückte Meute! Mit direktem Kurs auf eines der Wohnzimmer. Agnes blieb nur der betörende Duft diverser sich verflüchtigender Parfümwolken. Die 54jährige hatte den ganz bestimmten Eindruck, dass vor ihr wieder einmal etwas verschwiegen werden soll und fühlte sich, wie so oft, ausgeschlossen. Eindeutig ihr Problem. Doch wird sich das Ganze nach einer Weile glücklicherweise als Irrtum herausstellen.
Wenn sich die Ehemänner ihren all monatlich stattfindenden Bowling-Abend gönnen (und davon sollte sie bloß mal jemand abzuhalten versuchen), vermuten sie ihre Gattinnen mit züchtig übereinander geschlagenen Beinen, tratschend und kichernd, in einem der geschmackvoll eingerichteten Designer – Wohnzimmer. Die Herren würden mit Sicherheit, hätten sie auch nur die geringste Ahnung von dem, was dort bis ins kleinste Detail an delikaten Schweinereien besprochen und vorbereitet wird, mit Wonne freiwillig auf ihren Herren – Abend verzichten!
Auf anschließende, vor den Ehefrauen ebenfalls streng geheim gehaltene Besuche besagter Herren in bestimmten Etablissements, soll hier nicht näher eingegangen werden, denn dies ist eine andere Geschichte.
Agnes ist der mütterliche Typ. Ihre wohlproportionierte Rubensfigur lässt trotz fortgeschrittenen Alters noch immer viele Männerherzen höher schlagen (Vorausgesetzt, ER hat eine Vorliebe für üppige Formen). Doch Agnes eigentliches Potential besteht in ihrer hocherotisch klingenden tiefen Stimme.
„Genial für Telefon – Sex“, gibt die etwas spröde wirkende, erfolgreiche Geschäftsfrau Marion (widerwillig?) zu.
Gerade Marion, diese kinderlose Intellektuelle mit der knabenhaften Figur, die sich ihrer Beherrschtheit und Sachlichkeit auch in schwierigsten Situationen rühmt, scheint heute etwas aus den Fugen geraten zu sein, denn eine vorwitzige Haarsträhne hat sich aus ihrem streng zurückgekämmten rabenschwarzen Knoten gelöst und verleiht ihr nun einen interessanten Touch von Menschlichkeit.
Marion neigt zum Quälen. Im stillen Kämmerlein peinigt und foltert sie als gestrenge Domina nicht nur ihren stark bedürftigen Gatten, einen angesehenen Chirurgen.
„Seht euch doch bloß die Liste an!“ zetert sie nun herum „Wenn wir weiterhin auf der Soft – Welle surfen, verliert die gesamte Chose ihren Reiz!“
„Aber sie ist doch fast voll, unsere Liste“ meldet sich Sabine behutsam zu Wort. Sie hat ordentlich Schiss vor der gestrengen Marion.
„Voll! Voll! Was heißt das schon? EIN Schnellhefter ist voll. Na und? Gibt es keinen zweiten?“ kontert die genervt.
Nun gibt auch Agnes ihren Senf dazu:
„Wir haben uns in der Wahl unserer Opfer merklich gesteigert, hast du das nicht bemerkt, Marion?“
„Haben wir, zugegebenermaßen“, erwidert Marion, durch die einfühlsame Stimme der Älteren nun etwas friedlicher gestimmt.
Agnes ist die einzige, die der schwarzen Lederlady ein klein wenig Respekt abzuverlangen vermag, jedenfalls von Zeit zu Zeit.
„Du hast in der Tat einen wertvollen Beitrag geleistet, Agnes. Nach all den popeligen kleinen Ficks mit Tennislehrern, Friseuren, Taxifahrern, Handwerkern etcetera blabla, hat die Sache doch etwas an Niveau gewonnen, seit du diesem katholischen Priester an die sakrale Wäsche gegangen bist. Glückwunsch!“
„Und was ist mit meinem Rock - Star?“ lispelt Sabine beleidigt und zieht den zuckersüßen Flunsch, dem niemand widerstehen kann. Niemand, außer den drei Anwesenden.
„Hast du gut gemacht, Kleines. Wir zählen weiter auf dich“, bemerkt Marion gönnerhaft, damit das Küken Ruhe gibt. Doch das ist nicht zu stoppen.
„Wir haben wenigstens ordentlich gevögelt! Agnes hat dem Pater Noster doch nur einen runter geholt.“
„Halt die Klappe, Kleines!“ wehrt sich die Gastgeberin barsch. Sabinchen schmollt nun wirklich.
Sie ist mit ihren 26 Lenzen die Jüngste der Jägerinnen. Glücklicherweise bemerkt sie in ihrer unschuldigen Naivität kaum, dass die anderen Frauen sie, die süße kleine Neureiche, nur erdulden, weil sie einen erdrutschartigen Wahnsinnseffekt bei der schmachtenden Männerwelt auslöst.
Der IDEALE Lockvogel! Sabines niedliches Puppengesicht, umrahmt von einer blonden Mähne, der himmelblaue Augenaufschlag, - diese Kriterien reichen bereits aus, um männliche Blicke auf sich zu ziehen. Es erwacht der Beschützerinstinkt bei jenen Jägern und Sammlern, deren Gen-Cocktail noch immer auf steinzeitliche Grundstoffe aufgebaut und auf reine Überlebensmechanismen programmiert ist. Wandert dann der männlich prüfende Blick zum prallen, stramm vom Push-Up gelifteten Busen über die schmale Taille hin bis zum runden Prachtpopöchen, schmelzen sie dahin, die harten Jungs! Ihrer angeborenen Mischung aus Ur-Instinkten und zeitgemäßem Jagdtrieb schutzlos ausgeliefert. Wie Butter in der Sonne.
„Die geilen Böcke fliegen halt auf Blond und Hirnlos“, hatte Marion in aller Boshaftigkeit gelästert, als Sabine die ersten durchaus nennenswerten Erfolge einbrachte.
„Also fassen wir zusammen“, meldet sich nun Diana, die Vierte im Bunde, zu Wort, die bisher geschwiegen hatte. Ihr Schweigen - eine Wohltat für die anderen, denn Diana neigt zu kleinen, messerscharfen Bosheiten, von denen niemand genau zu sagen weiß, ob die nun ernst gemeint sind oder nicht.
Diana ist sexuell zuständig für Abenteurer und Genießer, so wie Marion vorzugsweise Geschäftsleute und Promis aus Politik und Wirtschaft vögelt (noch lieber: QUÄLT!).
Ein heißer Nachmittag auf dem Pult des Mathelehrers ihres Ältesten hatte Diana kurzzeitig befriedigen können und die Zensur des trägen Sohnes auf dessen nächstem Zeugnis merklich nach oben schnellen lassen. Ihr letzter Coup.
Die Mittdreißigerin erweckt bei zart besaiteten Männern mitunter Existenz- und Kastrationsängste, denn sie ist ein Vollblutweib mit der Figur einer Göttin, die ihr trotz dreier Geburten erhalten blieb. Sehr zum Ärger der um sieben Jahre älteren Marion, die hartnäckig an ihrer These festhält, dass Kinder unweigerlich fett machten. Sabine und Diana hatten sie jedoch eines Besseren belehren können.
„Wir haben sämtliche geil aussehenden Kerle in unserer Region verführt, die angenehm duften, nicht gerade verblödet sind und ordentlich was in der Hose haben. Und das mit mehr Glück als Verstand, kann ich euch sagen, denn keiner von den Typen hat uns bisher verpfiffen! Seid ihr bis hierher in der Lage, mir zu folgen?“ Dianas Blick wandert zu Sabine. Die fühlt sich aufgefordert, etwas Wichtiges beizutragen:
„Immerhin haben wir sämtliche Echtheitsbeweise auf unseren Diktiergeräten!“
„Richtig, Herzchen“, entgegnet Diana mit zuckersüßem Lächeln und wirft ihre beachtlich dichte rote Mähne lässig zurück. Die Locken reichen bis zur Taille.
„Schluss mit dem Geschnatter! Jetzt lasst mich mal wieder Wort kommen!“ schaltet sich Marion ein. „Also, Mädels: Ihr wollt mehr? Ich habe DEN Schlüssel zum ultimativen Kick!“
„Lass hören.“ Agnes’ ruhige Stimme sorgt kurzzeitig für Stille und Aufmerksamkeit. Marion fährt fort.
„Ich plane einen Coup ganz besonderer Art, den wir alle vier gemeinsam durchführen werden. Also, Wer oder Was fehlt noch auf unserer Liste?“
„Ein Schwuler!“ Sabine reckt den Arm hoch und schnippt hektisch mit dem Finger.
„Vergiss es“, erfolgt die lakonische Antwort aus drei Mündern. Denn keine der Jägerinnen hatte bisher Probleme mit Homosexuellen. Ganz im Gegenteil, sie erwiesen sich als die besten Freunde, Vertraute und Einkaufsberater!
„Frauen?“ wirft Diana fragend ein. Kollektives Kopfschütteln. Es ist doch etwas ganz anderes, sich gegenseitig die Mösen zu rasieren, als sich auf lesbische Spielchen einzulassen. Das ist einfach nicht ihr Metier. Die Damen sind Schwanzfetischistinnen! Allesamt. Und siehe da: eine weitere Gemeinsamkeit.
„Uns fehlt ein Bulle. Ein echter. Ein Auge des Gesetzes“ flüstert Marion verschwörerisch.
„Na und?“ flüstert Sabinchen zurück.
„Na und?!“ ereifert sich Marion „Hör gefälligst zu, bis ich zu Ende geredet habe, du kleine geile Ratte! Mir schwebt ein ganz bestimmter Beamter vor, der während des Dienstes in Ausübung seiner Pflicht, durch uns seiner amtlichen Würde beraubt und so richtig schön missbraucht wird!“ Marion leckt sich gierig die Lippen. Sie ist in ihrem Element!
„Und zwar einer, der`s verdient hat!“
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