Das bin ich ...
Seinschatten ist ein Mann und Dom von 37 Jahren. Er lebt in Berlin und weil er dort zugereist ist, darf er sich rühmen, ein „echter Berliner“ zu sein. Er ist Vater eines kleinen Sohnes und lebt von seiner Frau getrennt. Er steht in Lohn und Brot.
Er ist heterosexuell, ist im Herzen so leicht entflammbar, wie in den Lenden und verkehrt in der SM-Szene seiner Stadt.
Er liebt die Frauen und will von ihnen geliebt werden.
Seinschatten und die Anderen:
S. glaubt, daß er niemals glücklich werden könne.
A. glaubt, sie müsse aufpassen, weil er so gefühlvoll sei.
J. fand mal, er sei die erste Wahl.
Für M. ist er schlicht ihr schwarzer Engel.
Der G. ist froh, daß er ihn hat.
Freund H. meint, er solle Sensai werden.
I. mußte bei ihm an „das kleine Arschloch“ denken.
Kollege E. findet, er sei eine Domwalze.
B. glaubte, er sei zu nett und konnte dann nicht mehr sitzen.
T. mag ihn, obwohl er so arrogant sei.
Catwoman nennt ihn „Bambi“.
AG. versteht ihn nicht.
X. nannte ihn den „Sprachpanzer Pontemkin“.
Seinschatten ist bewegt und bewegt sich selbst. Vieles verändert sich für ihn. Standing on shaky ground. Vieles ist neu für ihn. I am what I am, cause I ain’t what I used to be. Sein Outing liegt nicht lange zurück. Seine Trennung hat frische Wunden geschlagen. Sein Herz steht unter Strom. Sehnsucht zerrt an ihm. River is flowing underground. Er ist auf der Suche.
Kurz: Er hat Mitteilungs- und Reflektionsbedarf genug um diesen blog zu führen.
Seinschatten freut sich, daß Du ihn liest.
Seinschatten kann Dich lesen unter seinschatten_nachtwaertz@yahoo.de
01.09.06
Seinschatten's Tagebuch
Dienstag, 9. September 2008 - 16:57 Uhr
Sternschnuppe

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Donnerstag, 21. August 2008 - 17:51 Uhr
Hammelhitze

Hitze.
Was für ne Hitze.
Affenartig.
Nachdem zwanzig Jahre meines persönlichen Klimaschutzes nichts daran ändern konnten, daß der Schnee auf dem Kilimanjaro abschmilzt, denke ich nun ernsthaft über die Vorzüge eines PKW mit Klimaanlage nach. Andererseits würde ich am Ende vielleicht doch bei einem Kastenwagen landen. Kastenwagen haben einen nicht zu überbietenden Vorteil: Man kann sein Mädchen ganz wundervoll auf der Ladefläche anbinden! Kastenwagen haben in aller Regel ausgesprochen praktische Vorrichtungen, mit denen sich das Frachtgut an den Wänden vertäuen läßt. Links das linke Bein, rechts das rechte Bein, Arme nicht vergessen und auf geht’s zum nächsten Waldparkplatz, wo schon die fröhliche Herrenrunde wartet.
Kastenwagen haben sich im Lieferverkehr seit je her bestens bewährt.
Feine Sache!
Aber keine Klimaanlage.
Momentan freilich sitze ich im Bus.
Auch der hat keine Klimaanlage und ich stelle fest, daß heiße Gedanken das letzte sind, was ich hier gebrauchen könnte.
Das Mädchen auf dem Sitzplatz gegenüber hat sich auch schon auf Urwaldwetter eingerichtet. Sie trägt eindrucksvolle hohe Stilettos in Camouflage. Das waffenscheinpflichtige Schuhwerk wird von breiten Schnallen um ihre Fesseln gehalten. Sie versprechen sicheren Halt auch im Nahkampf. Das Weibstück ist für den Djungelkrieg der Geschlechter bestens gerüstet.
Das wirklich allerletzte, was ich jetzt gebrauchen könnte, wäre Feindberührung.
Viel zu warm!
Beim schwedischen Möbelhaus angekommen, fallen mir zuerst die „Parkplätze“ für mitgeführte Haustiere auf. Im Schatten gelegen reihen sich militärisch korrekt niedrige Podeste von je etwa zwei Quadratmetern Grundfläche aneinander. Sie sind dekorativ mit Kunstrasen bespannt, haben an einem Ende eine Vorrichtung um die lieben Vierbeiner anzuketten und vor allem: einen großen Wassernapf!
Letzterer scheint mir bei diesem Wetter besonders reizvoll und ich stelle mir vor, irgendwann einmal meine Liebste dort anzubinden, dieweil ich drinnen meine Einkäufe erledige. Das sollte ich mir notieren!
Zielstrebigkeit ziert den Dominus. Gerade einmal fünfzehn Minuten sind vergangen, als ich die Schwedischen Hallen mit dem Kleinmöbel meiner Wahl wieder verlasse. Nichts konnte mich aufhalten, nichts mich irritieren! Auf dem Weg zum Selbstbedienungsmöbellager widerstand ich den Sirenengesängen von Küchenhelfern, Aufbewahrungsboxen, Dekostoffen und zierlichen Minigewächshäusern mit possierlichen Bonsaikakteen. Nicht einmal für die obligatorische Großpackung der Kerzen mit dem irgendwie anzüglichen Namen hielt ich inne.
Ich blieb standhaft!
Kaum trete ich in die Sonne hinaus, beginnt meine Standhaftigkeit freilich wieder dahinzuschmelzen wie schwedischer Wachs. Die fünfzehn Kilo unter meinem Arm tragen einen putzigen Namen, der nach Astrid Lindgren und kleinen Hackfleischbällchen mit Preiselbeeren klingt. Aber es sind fünfzehn Kilo. Und sehr sperrige dazu.
Kastenwagen.
Ich brauche einen Kastenwagen.
Mit Klimaanlage.
Ich sehe ihn deutlich vor mir. Die Ladefläche teilen sich ein skandinavisches Kleinmöbel und mein gefesseltes Mädchen. Letzteres nur bekleidet mit einem Paar Camouflagestilettos.
Domlogistik – Ihr Spediteur für alle Lebenslagen!
Hat sich was.
Die Sonne brennt und wir sind ganz unter uns. Ich, das Kleinmöbel und die Schwerkraft.
Ich beginne mürrisch zu werden. Sehr mürrisch. Und das ist gefährlich!
Bei solchen Temperaturen ist schlechte Laune eine häufige Todesursache!
Interessanter Weise ist dieser Umstand auch dafür verantwortlich, daß es in Berliner Grünanlagen verboten ist, ganz Tiere zu grillen. Eine diesbezügliche Broschüre der Senatsverwaltung nämlich untersagt ausdrücklich
1. das Verfeuern von Parkbänken und
2. das Grillen von allem, was nicht auf einen Grillrost passt.
Früher konnte man im Sommer öfters sehen, wie sich ganze Hammel am Spieß ein letztes mal im Viervierteltakt über den kokelnden Resten einer Parkbank drehten. Dann aber kam ein sehr heißer Tag, an dem jemand wirklich richtig mürrisch wurde.
Damals hatte sich auf einer städtischen Grünanlage ein vielköpfiger Familienclan eingefunden um ein Grillfest abzuhalten. Es ist nicht überliefert, ob man Parkbänke verfeuerte, aber sicher und wesentlich ist, daß ein Hammel am Spieß gegrillt werden sollte.
Bedauerlicher Weise hatte sich zeitgleich am anderen Ende der Grünanlage ein weiterer Clan mit gleicher Absicht und ähnlichem Hammel eingefunden.
Beide Clans hatten außerordentlich viele Gemeinsamkeiten. Sie pflegten ihre Tradition, schätzten ihre Familie über alles, mochten Picknicks und waren davon überzeugt, daß die Angehörigen des jeweils anderen Clans eine Bande minderwertigen Gesindels sei, das es auszumerzen gelte, ehe sie kämen und einem die Töchter schwängerten. Und so dauerte es nicht lange, bis irgendein jugendlicher Hitzkopf das Feld der Ehre eröffnete und damit eine gewaltige Massenschlägerei lostrat.
Ich weiß nicht mehr, ob es sechzig, achtzig oder hundert Polizisten waren, die versuchten, dieser Völkerschlacht Einhalt zu gebieten. Sicher ist jedoch, daß auf dem Höhepunkt der Kampfhandlungen ein Grillspieß sein Opfer suchte und fand!
Auf dem lärmenden Zenit des ethnisch motivierten Gemetzels traf die Fleischerlanze das Gesäß eines der Beteiligten Marodeure und bohrte sich dort schmerzhaft tief in Fett- und Muskelgewebe. Sie verfehlte nur knapp das haarige Mannesrektum, welches bis dahin ja am Hammel ihr bevorzugtes Ziel gewesen war.
Es konnte seitens der schwer beeindruckten Ordnungskräfte nur geraten werden, ob der kriegerische Speerwerfer die Absicht gehabt hatte, seinen Kontrahenten anstelle des geschlachteten Huftieres aufzuspießen um ihn dann über kleiner Flamme zu rösten. Jedoch! Allein die Vorstellung der bloßen Möglichkeit, es möge so gewesen sein, war bereits so hinreichend verstörend, daß seit jener denkwürdigen Völkerschlacht im Park ein Bratspießbann auf allen Berliner Grünanlagen ruht.
Ich kann, wie ich mich so weiter durch die Hitze schleppe, noch darüber nachsinnen, daß diese Moritat doch viel anschaulicher die schrecklichen Folgen der globalen Erwärmung illustriert, als jeder Schnee auf dem Kilimanjaro, da kehren meine Gedanken auch schon zurück zu dem klimatisierten Kastenwagen.
Die Sonne hat längst ganze Arbeit getan. Mein Hirn ist gar. Mühsam quäle ich mich mit meiner Last über das Pflaster. Ein Schatten meiner selbst. Seinschatten. Tranceartig stolpere ich dahin. Immer fieberhafter kreisen die gesottenen Gedanken:
Auf der Ladefläche eines gletscherkühlen skandinavischen Kleintransporters öffnet sich ein Möbelkarton. Heraus steigt mein nacktes Mädchen und stakst auf ihren Stilettos an den Rand des Hundeparkplatzes. Dort springt sie kopfüber in einen Wassernapf, dessen Shilouette sehr an den Kilimanjaro erinnert. Ich beobachte sie vom Ufer aus und erwehre mich einer marodierenden Volkshorde, indem ich einen gewaltigen Grillspieß schwenke. Meine strategische Situation verschlechtert sich jedoch dramatisch, als sich ein Bus nähert, aus dem heraus mich eine eiligst hinzugezogene Polizeihundertschaft mit kleinen schwedischen Fleischklöpsen bewirft.
Irgendwo röhrt ein Elch und jemand fragt mich unvermittels, wo denn hier wieder der SM-Bezug sei.
Ich weiß es nicht.
Keine Ahnung.
Hitze.
Was für eine Hitze.
Affenartig.
Foto: Dieses mal mit dem Handy selbst gefertigt. Aus Umständen, die sich meiner Einflussnahme entzogen, blieb der Platz zum Anbinden dabei unbesetzt.
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