Suchen nach:

Allgemein:

Startseite

AGB's

Links, Spam, Verpackung

Impressum

Jugendschutz

Kontakt

Newsletter

Site Map

Von unten lieben

mood_re ist 35, weiblich, lebt in Wien mit ihrem Partner in einer 24/7-Beziehung und ist devot.
Dem Schmerz kann sie zwar zunächst nichts abgewinnen, will aber trotzdem, dass er ihr zugefügt wird - irgendetwas umwegmasochistisches trägt mood_re also in sich.

Einfach gesagt: ich liebe von unten.
Die Perspektive ändert sich dabei nie, nicht zu bestimmten Zeiten tagsüber, nicht nachts und an keinem Tag der Woche.
Das Ganze funktioniert innerhalb eines klaren Machtgefälles, an dessen unterem Ende ich sitze.
Ich liebe unter Einbeziehung des gesamten emotionalen Spektrums, klammere also nichts aus, das zwischen Zweien an Gefühlen und Affekten möglich ist und möchte auch nicht, dass mir gegenüber etwas davon ausgeklammert wird.
Ich sehe nicht ein, wieso gerade große Dinge wie Liebe und Sexualität um entscheidende Teile erleichtert und damit kastriert und zurechtgeschnitten werden sollen.
Was ich bewusst hereinhole und einbeziehe, kommt nicht an der falschen Stelle und maskiert durch die Hintertür zurück.

Kontakt: mood_re@yahoo.de

Mood_re's Tagebuch

Sonntag, 12. Juli 2009 - 15:40 Uhr
.

Der letzte Tango

Man war bei der Beziehungsbilanz angekommen. Was bringt es Dir, was bringt es mir, gibt es einen Ausgleich dafür, dass R. beim Sex manchmal über I.s Bedürfnisse hinweg geht?
Der Therapeut hatte ein wenig Eigelb im Mundwinkel kleben. Zugleich war die Sache ernst, so, dass das niemand komisch fand.
I. zählte auf: die Socken im Bad, die Sauerei im Vorzimmer, wenn R. die Schuhe nicht gleich auszog. Der Therapeut mahnte den Ausgleich ein, forderte etwas Positives und I. wurde rot und R. grinste. Na gut, da musste man durch, danach war R. dran, das erleichterte. Sie erwähnte also, dass er ihr manchmal das Frühstück ans Bett brachte, immerhin.
Der Therapeut nickte und wollte zunächst auf´s Thema Sex zurück kommen. I. wusste, dass jetzt die Zange kam. Was genau, wann, wie, wo, überging R. welches ihrer Bedürfnisse.

Für ihn musste man sich natürlich genieren, unerfahren in therapeutischen Dingen, wie er nun einmal war, machte er einen losen Witz: „dachte ich´s mir doch, in jedem von Euch steckt eine kleine Sau!“ dann beugte er den Kopf nach vorn, griff sich mit Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel und versuchte wie ein Schulbub ernst zu bleiben.
Herr Eigelb sprach alles an: die Verlegenheit, die Projektionen, wer war denn hier nun die kleine Sau. Er ließ sich auch nicht beirren, als R. beim letzten Punkt fragend mit dem Daumen auf I. deutete und dabei kurz quiekte.
I. wurde nun nach allen Regeln der Kunst geschützt, ihr wurde so richtig Wert gegeben. Die Sexualität sei etwas Großes und ganz sicher kein Anlass, die Partnerin bloß zu stellen, auch wäre der Versuch, das Thema der Lächerlichkeit preiszugeben ja immerhin eine Aussage.

Die Sitzung blieb anstrengend. Das Aufrechnen von Höhepunkten erwies sich als kein brauchbares Instrument zur Evaluierung, darin waren sich alle einig. Das Ungleichgewicht sei schließlich auch den Umständen der männlichen und weiblichen Körperphysiologie geschuldet.
Aber mit der Frage nach den diesbezüglichen Bemühungen kam ein weiteres Problem zur Sprache: R. machte es, das gab er zu, manchmal geil, wenn I. sich in dieser speziellen Angelegenheit um ihn kümmerte - „wenn sie mir einen, Sie wissen schon.“
Eigelb war, das dachte I. zum wiederholten Mal, seine 150 Euro pro Therapieeinheit wert. Er blieb nämlich auch noch cool, als R. erklärte, dass Bemühungen aller Art für ihn selbst aber insgesamt nicht interessant wären, wenn er in Fahrt sei, da er besonders gut kommen konnte, wenn er sich nicht extra um I. kümmern musste, sondern einfach, wie er es nannte, dahin machte. Manches zöge sich danach zwar vielleicht in den Alltag hinein oder eben auch nicht, man würde das schon sehen, er sei da Draufgänger.
I. hob die Augenbrauen, seufzte und hoffte auf den Herrn Therapeuten, der auch prompt ansprang: das sei eine sehr unreife Haltung der gemeinsamen Sexualität gegenüber, die ja ein Teilen wäre. Gegenseitigkeit. Nun kam R. in die Zange und I. bemühte sich, ihre Schadenfreude nicht zu zeigen, denn so etwas kam gar nicht gut.

Abends blieb es zu Hause friedlich. Auch, weil R. sich schon im Vorzimmer die Schuhe auszog. Als er später Teelichter anzündete, schaffte er es sogar, I. nicht an den Hintern zu grapschen, sondern zu erklären, dass er arge Lust auf sie habe. Eigelb war sein Geld wirklich wert.

I. hatte trotzdem kein Interesse und stellte in den Raum, dass sie ganz klar ihre Freiräume brauchte. Dann legte sie im Wohnzimmer den letzten Tango in Paris ein.
Für die erste Filmszene hatte sie sich ein Glas Sekt eingeschenkt: Marlon Brando nimmt Maria Schneider, ohne, dass die Beiden einander kennen oder auch nur wüssten, wie der jeweils andere heißt. Während er sie so nimmt, hört und sieht man, dass das nicht die Nummer mit dem Duftpotpourri und dem Kuschelrock ist. Maria Schneider stöhnt oder seufzt. Leise, aber so, dass es durch Mark und Bein geht. Etwas wie ein Vorwurf war in diesem Laut, etwas, das übergangen wurde und sie tat einfach mit.
Aber vielleicht war es auch ihr Blick.
I. überlegte immer wieder, welches Wort es für diese Laute, für all´ das gab, klickte die Szenenanwahl der DVD ein ums andere Mal zurück. Wehmut vielleicht? Überwältigung? Es war ja Beides zugleich: Schmerz und eine Art von Lust.

Sie schenkte sich wieder Sekt ein. Es war wichtig, das Wort zu finden, dann konnte sie es in der nächsten Therapiesitzung benennen. Man bekam nur, was man formulieren und einfordern konnte.

(c) itm

Freitag, 3. April 2009 - 06:39 Uhr
.

Sog

Piwonski entkorkte gerade den Wein, als es klingelte. Er sah neben sich auf den Boden und die Frau stand auf, nahm ihm den Korkenzieher aus der Hand und drehte den gewundenen Kolben in den Korken, fasste dann die Flasche erst mit einer Hand, versuchte, ihn herauszuziehen, grinste Lehmann, der sitzen geblieben war, zu und klemmte das Ding zwischen die Beine, hielt es dann mit der linken und zog mit der rechten aus Leibeskräften.
„Danke“ sagte Piwonski, streckte, als er mit Müller und Elke Schmidt ins Wohnzimmer kam, die Hand nach der Flasche aus und deutete den Beiden mit der flachen Hand sich zu setzen. „Lehmann kennt die Situation bereits, es ist auch ganz einfach“ sagte er zu ihm, „also, meine Frau sitzt hier unten und tut nur, was ich ihr sage, das ist alles. Rot? Weiß?“

Müller war vorgewarnt worden, so etwas sprach sich ja schnell herum. Piwonski war in Ordnung, das sagte jeder. Und seine Frau saß eben am Boden wie ein Hündchen und nicht am Tisch und redete nur, wenn sie gefragt war. Er schlug sie auch, wenn sie ihm nicht gehorchte, hatte Müller jedenfalls gehört.
Elke Schmidt begann über ein paar Verlagspartner zu sprechen, den Buchhandel im Allgemeinen, dann hielt sie es nicht mehr aus. „Also, was ist mit ihr da unten?“ wollte sie von Piwonski wissen, „das sieht man ja nicht alle Tage.“
„Fragen Sie sie, was immer Sie wollen“ gab Piwonski zurück, „sie ist übrigens auch Buchhändlerin.“

„Naja, also--“, Elke Schmidt beugte sich mit dem Kopf zu der knieenden Frau am Boden, „was sagen Sie denn zu-- zum Frühjahrsprogramm.“
Die Frau lachte: „Nun, die Entwicklungen sind insgesamt wohl nicht erfreulich. In Amerika ist man mittlerweile dazu übergegangen, bei Lesungen die besten Plätze an die zu vergeben, die das Buch sicher auch kaufen werden und so weiter. Sicherheiten eben. An den Internet-Pessimismus glaube ich nicht, ein Buch bleibt weiterhin etwas Besonderes, Liebenswertes. Und sollten Sie mein ganz persönliches Frühjahrsprogramm meinen, das ist in bester Ordnung. Wie auch das Winterprogramm.“ Sie lachte wieder.

„Wollen Sie sich nicht zu uns nach oben setzen?“ frage Elke Schmidt. Die Frau verneinte und trank aus ihrem Glas, Piwonski nahm es ihr aus der Hand, als es fast leer war und schenkte ihr nach. „Stört es jemanden, wenn sie raucht?“ fragte er in die Runde und alle schüttelten den Kopf. Er stellte ihr einen Aschenbecher hin, legte eine Schachtel Marlboro daneben und griff – so vertieft er auch ins Gespräch war, immer dann zum Feuerzeug, wenn sie die Zigarettenschachtel nahm und gab nach unten Feuer.
Eine Art Synchronbewegung, dachte Müller und sah sich im Zimmer um. Nichts schien das, was zwischen den Beiden lief, zu erklären, nichts stellte es in Frage, nichts deutete weiter darauf hin.

Die Frau schien dem Gespräch zu folgen, man lachte einzelne Vertreter der Konkurrenz aus, machte sich über Qualitätszirkel lustig und Lehmann biss sich auf die Lippe, als er nach dem dritten Kognac einen Frauenwitz der derberen Sorte anbringen wollte. „-- dann ist die Fusskette zu lang“ ergänzte Piwonski aber gelassen die bekannte Pointe und die Frau gluckste am Boden als wohl einzige amüsiert mit, während die anderen nur lachten, um die entstandene Spannung abzubauen.
Als Elke Schmidts Handtasche auf den Boden fiel und Schminkutensilien, Visitenkarten und ein Handy in bunter Reihenfolge auf den Boden fielen, kroch Piwonskis Frau auf allen Vieren darauf zu, nahm alles in eine Hand und hielt in der anderen die Handtasche nach oben. Ein Lippenstift war unter die Couch gerollt. Sie holte ihn geschickt heraus und sagte zu Elke Schmidt, die auf einem Ledersessel saß: „Kussecht. Den habe ich auch, der ist gut.“ Dann sah sie kurz zu Boden, strich sich die Haare zurück und sah Piwonski an.
Wenig später fragte er seine Frau, ob sie nicht schlafen gehen wolle. Die nickte, stand auf und verabschiedete sich. Sie trug ein kurzes Schottenröckchen und hatte lange, schöne Beine und rot lackierte Fingernägel. Piwonski folgte ihr. Lehman, Müller und Elke Schmidt schwiegen, als die Beiden die Treppe nach oben gingen. Außer zwei Paar Füßen hörte man aber nichts weiter.
Müller bemühte sich, an einen Sprung in kaltes Wasser zu denken, Lehmann vertiefte sich in eine Verkaufsliste. Elke Schmidt bekam ein kleines Herzklopfen, als sie irgendetwas klatschen hörte und war froh, dass es nur Lehmanns Notizbuch war, dass vom Tisch gerutscht war. Schließlich schlug Piwonski sie auch, wenn sie ihm nicht gehorchte, hatte sie jedenfalls von Müller gehört.

© itm

Neuere Beiträge  Ältere Beiträge

Anmelden