Von unten lieben
mood_re ist 35, weiblich, lebt in Wien mit ihrem Partner in einer 24/7-Beziehung und ist devot.
Dem Schmerz kann sie zwar zunächst nichts abgewinnen, will aber trotzdem, dass er ihr zugefügt wird - irgendetwas umwegmasochistisches trägt mood_re also in sich.
Einfach gesagt: ich liebe von unten.
Die Perspektive ändert sich dabei nie, nicht zu bestimmten Zeiten tagsüber, nicht nachts und an keinem Tag der Woche.
Das Ganze funktioniert innerhalb eines klaren Machtgefälles, an dessen unterem Ende ich sitze.
Ich liebe unter Einbeziehung des gesamten emotionalen Spektrums, klammere also nichts aus, das zwischen Zweien an Gefühlen und Affekten möglich ist und möchte auch nicht, dass mir gegenüber etwas davon ausgeklammert wird.
Ich sehe nicht ein, wieso gerade große Dinge wie Liebe und Sexualität um entscheidende Teile erleichtert und damit kastriert und zurechtgeschnitten werden sollen.
Was ich bewusst hereinhole und einbeziehe, kommt nicht an der falschen Stelle und maskiert durch die Hintertür zurück.
Kontakt: mood_re@yahoo.de
Mood_re's Tagebuch
Sonntag, 30. Mai 2010 - 16:00 Uhr
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Nicht
Lea hängt sich fest mit ihrem Blick, macht etwas mit den Schultern und den Waden, man sieht, dass sie das selbst nicht merkt.
A., sie weiß nicht, wie er heißt, nur A., lässt sie ein Stück herein und Lea geht so weit sie kann, ein wenig verschwimmt ihr alles rundherum und A. könnte die Fäden aufnehmen. Ganz klein ist alles auf der Reise, die Lea in ein paar Sekundenbruchteilen macht, man kann sehen, wie sie immer wieder aus allerhand Zeiten zurückkehrt. Das taube Schauen stellt sich dann jeweils um, der Blick bleibt aber immer geradeaus, hält seinem stand. A. hat sie mitgenommen und an Tage erinnert, die er nicht kennen konnte.
Sie erkannten einander, so hieß es doch, fällt ihr ein. Jetzt lacht sie, wieder das kleine Bisschen länger, so wie gerade, hängt immer noch in ihm fest.
Er zählt seine Atemzüge, legt die Hände aufeinander und beschließt etwas. Auch, es ihr leicht zu machen.
Lass´ uns nicht drüber reden, so muss es heißen, das kommt ihm. Und eine Art Ehrgeiz, denn so gab es das noch nie.
Lea erzählt, dass Frauen das, also das—er wisse schon, also dass sie das auch haben, also so punktuell, nicht nur Männer. Dieses: jetzt, heute, mit dem muss es sein, so in dieser Art.
Na, dann komm mit, sagt er, geht mit ihr zur Rezeption und hat noch keine Ahnung, wie ihr schmackhaft machen, was sie garantiert nicht will. Als sie sich oben im Zimmer auszieht, denkt er an ihren Blick. An den Chat, das Geplauder. Trotz allem: ihm ist als wäre ihr fremd gewesen, was beim Kaffee geschehen war. Fünfundzwanzig, höchstens, mochte sie sein, das schätzt er auch noch, als sie in Strümpfen vor ihm steht.
Lea kennt das alles. Manchmal kommt etwas Schnelles dabei heraus und man plaudert nachher, über das Studium zum Beispiel, manchmal dauert es. Immer aber sind Schläge etwas, das sie danach durch ein paar Tage trägt, besonders, wenn sie ein kleines Brennen mitnehmen kann. Nie würde ihr einfallen, sich bezahlen zu lassen; man traf interessante Männer und wenn man es geschickt anstellte, las man zwischen den Zeilen und kaum je gab es schlimme Überraschungen, fast immer fand sie sich einem gegenüber, der, sie nannte es appetitlich war. Normalerweise nimmt Lea die Sexgeschichte sozusagen mit, passt natürlich auf, heute hat sie es eilig mit dem Kondom. Es gab den Trick, es so in den Mund zu nehmen, dass es mit ein paar Bewegungen saß, und mit dem Mund ließen sich das letztlich alle gefallen. Im Studentenheim haben wir das geübt, mit einer Banane, könnte sie ihm nachher erzählen, manche fanden das unglaublich witzig. Es stimmte aber, genau so.
Sie merkt, dass sich alles überschlägt, alles, was sie A. erzählen, sagen will. Sie schaut auf die Uhr, er ist noch immer bekleidet, sogar das Sakko.
Lea, sagt er, hallo Lea, und ein paar Sekunden lang denkt er darüber nach, doch einfach mitzumachen. Ihn hindert aber das Fremde, das er unten gesehen hat. Warum, das weiß er nicht, es ist ihm auch egal. He, sagt er also, woran hast Du vorhin gedacht? A. setzt sich so aufs Bett, dass er mit dem Rücken an der Wand lehnt, die Schuhe am Leintuch. Er bringt sie dazu, den Kopf auf seinen Schoss zu legen, so, dass sie ihn anschaut. Einiges, sagt Lea und es kommt keine ganze Geschichte. Eine Silberspange, die der Großmutter gehörte und vor der sie fast Respekt hatte, der Geruch nach Haarfestiger, das Sonntagsradio, zum Beispiel. Saure Getränke, die beim Schlucken süß werden oder umgekehrt, Aufkleber mit Flitter, wirklich, in allen Farben, so dass man alles vergisst, warme Dinge im Winter. Solche Sachen.
A. fällt das Gluckern der Heizungsrohre ein, und dass er als Kind dachte, der Anrufer käme aus dem Telefon, wenn man nicht schnell genug war, weil alle immer rannten, wenn es läutete.
Er sucht das halbe Säckchen mit gebrannten Mandeln, das er eingesteckt hat. Lea will wissen, was los ist. Sie greift sich an die Brüste und versucht, sich aufsetzen.
Was, wenn ich Diabetikerin wäre? Lea kaut, schluckt und wartet.
A. bekommt mit der Zeit Übung im Füttern und Lea findet das mit dem Telefon lustig, kann es aber verstehen, wie sie sagt. Wieder lächelt sie so, dass es nachhängt und A. reibt sich die Augen, nachdem er ihr einen Liedanfang vorgesungen hat.
Wie lange das her ist. Schülerband. Lea schläft.
Wie lange er hier schon sitzt. Der Gürtel schneidet ein, den nimmt er sonst immer und schlägt sie, wie sie eben wollen – und er. Normalerweise.
© itm
Montag, 1. Februar 2010 - 18:47 Uhr
Liebe Leserinnen und Leser...
...es war sehr ruhig hier in letzter Zeit. 2010 wird sich das ändern. Bald geht´s los, ich freu´ mich schon.
...und danke für das liebe Feedback ,-)


