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Ladoradalin ist 24 und ihr Nick hat eine kleine Geschichte, die mit einem Gedicht und ihrem Namen zu tun hat. Die kürzeste und ihr angenehmste Übersetzung heißt „Goldmädchen“, was wiederum eine andere Geschichte hat.
Geschichten sind auch das, was sie am meisten interessiert, in jedem Gesicht und jeder Geste.
Sie ist ein gebürtiges Ostmädchen, das es über Umwege nach Niedersachsen verschlagen hat und das von dort aus nach Berlin pendelt, um dem nachzugehen, was ihr am wichtigsten ist.
Lieben.
Sie studiert und ihr Studium ist ebenso interdisziplinär wie ihr Leben an sich.

Ladoradalin mag die Leidenschaft nicht nur, sie lebt und liebt sie in jeder Facette.
Sie ist devot, kann aber das Wort Sklavin gar nicht leiden, mag den Schmerz, aber meist erst hinterher und findet sich in den gängigen BDSM Definitionen nie so ganz zurecht.

Nach eigener Aussage:

Bunt.
Blumig.
Bebend.

Träumerchen und Quängelliese.
Kindsfrau mit Bierzeltcharme.
Ordnungsflüchtige auf allen Ebenen.

Sensibelchen und kleine Kriegerin.
Standbein zwischen den Türen.
Widerwille und Leidenschaft.

Unverblümt.
Unperfekt.
Unstet.

Emotionale Extremistin mit Kontinuitätsfaible.
Grenzgängerin in sicheren Gefilden.
Gemeinschaftsmensch mit Kollektivphobie.

Liebend.
Lebend.
Lodernd.

Immer so.

In etwa.


Kontakt: ladoradalin@hotmail.de


Ladoradlin's Tagebuch

Dienstag, 9. September 2008 - 14:47 Uhr
Kai


Manche Zufälle sind Schicksal, auch wenn man nicht an Schicksal glaubt.
Ich glaube nicht an Schicksal, aber ich glaube, dass Kai so ein Zufall war.
*******************

Ich war Anfang 20, als ich das erste Mal wirklich mit dem Internet in Berührung kam.
Privat, bei mir Zuhause.
Einsam war ich, nicht sehr, aber genug, um auf den Seiten zu landen, die einem die Erlösung davon versprechen.
Da fand ich Dich.
Deine Anzeige war lustig, kreativ, anders eben und ich schrieb Dir.
Unbefangen. Einfach so. Was sollte ich mir auch Gedanken machen, wir kannten einander ja nicht.
Ich verliebte mich kurz darauf in Deine Telefonstimme und schalt mich dafuer eine Naerrin.
Es war egal.
Du hattest Etwas, dieses Etwas.

Als ich das Wort "dominant" das erste Mal aus Deinem Mund hoerte, wusste ich, dass es das war, wonach ich insgeheim suchte.
Wir telefonierten. Stundenlang.
Du warst nur ein paar Jahre älter als ich und mit dem Wort "submissiv" wäre es Dir sicher eben so ergangen wie mir, hätte ich es damals schon gekannt und ausgesprochen.
Wir kreisten umeinander, redeten pauschal über Fesselein und Klapse auf den Hintern, bevor wir aussprachen, was noch, was viel mehr dahinter lag.
Ich liebte Deine Stimme, die Dinge, von denen sie erzählte, noch viel mehr.
Sieben Stunden fuhr ich mit dem Zug zu Dir, es war die anstrengendste, aber günstige Verbindung.
In Frankfurt am Main musste ich ein letztes Mal umsteigen in die S-Bahn nach Wiesbaden.

Ich war in diesem Mischgefühl aus Erschöpfung und Aufregung, als Kai einstieg.
Der Mann, mit dem ich einen flüchtigen Blickwechsel gehabt hatte, verliess hier die Bahn und so saßen wir einander gegenüber.
Ich hätte ihn gar nicht bemerkt, hätte er mich nicht gefragt, ob wir die Plätze tauschen könnten.
Er könne nicht vorwärts fahren.
Erst da fiel mir auf, dass ich rückwaerts fuhr, was mir eigentlich gar nicht bekommt.
Wir wechselten die Plätze und unterhielten uns.
Nein, es war schon da mehr als das.
Ich glaube, ich habe vorher und seither nie wieder in zehn Minuten einem Fremden so viel über mich erzaehlt, wie ein Fremder mir über sich.
Kurz, bevor er ausstieg, fragte Kai mich, wohin ich denn eigentlich wolle.
"Wiesbaden", antwortete ich bemüht nüchtern.
Was ich da vorhabe, fragte Kai weiter und ich erzählte von Dir, nicht fast verlegen, sondern ganz.
Kai schmunzelte.
"Falls Dein Date nichts wird, schreib' mir!"
Und ich notierte seine Emailadresse.
"Falls es etwas wird, schreib' mir auch!"
Dann war er weg.

In Wiesbaden wartete ich auf Dich, Du kamst später, weil Stau war.
Spät genung, um mich in meinem karierten Röckchen lächerlich zu fühlen.
Als Du endlich da warst, sahst Du anders aus als auf dem Foto.
Ich hätte Dich fast nicht erkannt, aber Deine Stimme war genau so schön wie am Telefon.
Ich weiß noch, dass ich just in diesem Moment, als wir uns gegenüber standen, dachte, ich würde Kai schreiben:
Er sah anders aus als auf dem Foto. Aber sein Stimme klang genau so schön wie am Telefon.

Später dachte ich an wenig.
Du zeigstest mir Deine Wohnung und drei Minuten später, ich weiß es noch genau, fiel meine Jacke zu Boden.
Ich spürte Dich tief in meinem Bauch, ob es schön war, kann ich heute nicht mehr sagen.
Es war einfach das erste Mal. Mit Dir in mir, später auf mir, die ganze Zeit über mir.
Es war das erste Mal, dass ich Haut auf Haut spürte.
Mit Schmerz, dann Leder auf Haut, mit ein klitzekleinbisschen mehr Schmerz.
Ich war nicht abwesend, nur auch nicht bei mir.
War ohne das erhoffte warme Gefühl im Bauch, aber doch mit der Erkenntnis, dass das, was wir miteinander taten, mir gefallen könnte. Auf Dauer.
Am nächsten Morgen aßen wir kalte Weintrauben und ich fragte mich, ob mein Date nun etwas geworden war oder nicht.
Fragte mich, was ich Kai schreiben sollte, fragte mich nicht, ob ich schreiben sollte.

Ich schrieb Kai die Wahrheit, bis auf die Haut, bis auf das Leder und als er schon viel mehr von mir kannnte, als ich über mich wissen wollte, warst Du nicht der einzige geblieben, dem ich hinterrief, bar jeden Verstandes.
Bei dem ein bisschen Haut auf Haut und Leder auf Haut reichte, um Sehnsucht so weit zu schüren, dass ich mir die Finger daran verbrannte.

Kai wusste von allen, hielt mich. Am Hörer und in Gedanken.
Ihm zu sagen, was mich immer wieder an neue Orte, zu all den anderen zog, konnte ich erst später.

SM - wie simpel.
Wie einfach es war, als Kai und ich darüber sprachen.
Wie scheinbar zufällig wir darauf kamen.
Über Metallica redeten wir, Kai spielte auf der Gitarre. Leise im Hintergrund.

"Kennst Du das SM Album?" Beiläufig.
"SM?" Ich fragte zu interessiert.
"Sinfonie and Metallica meinte ich", ich hörte Kai fast schmunzeln," und was meintest Du?"

Als er mir von seinen Besuchen bei professionellen Dominas erzählte, davon, wie er es liebte einer Frau zu Füßen zu liegen, da war ich enttäuscht, glaube ich heute.
Enttäuscht ausgerechnet in ihm meinen Spiegel, nicht mein Gegenstück gefunden zu haben.
Dann wieder froh, nicht mit jemandem, sondern ihm darüber reden zu können .
Ob er das schon mal in einer Beziehung gelebt hätte, fragte ich ihn und er wickelte mich ab, das mit den Dominas, das reiche, mehr brauche, wolle er nicht. Für eine Beziehung erst recht nicht.
Und mir war klar seitdem, dass ich ihn nicht lieben konnte, so wenig wie er mich.

Dass Kai das alles anders sah, begriff ich erst, als er anderthalb Jahre nach unserem ersten Treffen vor meiner Tür stand. Unerwartet.
Nachdem wir die Nächte damit verbracht hatten, schweigend Hörer an Hörer Filme miteinander zu schauen.
Ich sah ihn und fühlte, was ich für ihn war, sein sollte.
Und doch, so verwandt wir waren, Seele an Seele, ich konnte es nicht erwidern, ich konnte es gerade deswegen nicht.
Als Kai fuhr, weinten wir.
Und jeder blieb mit ein bisschen Hoffnung zurück, er mit der,
ich würde irgendwann erwidern, was er geben wollte.
Ich mit der, er möge selbst auf die Reise gehen und meine verstehen.

Irgendwann schrieb Kai nicht mehr und ich war zu feige geworden, ihm auf den AB zu sprechen.
Immer, wenn wir einander doch am Telefon erwischten, mussten wir eine Barriere ueberwinden, die nie, nicht mal, wenn wir miteinander gestritten hatten, zwischen uns gewesen war.

Ich fragte mich oft, wie es ihm ging, was er machte.
Ich wollte gern seine Stimme hören.
Aber sein AB sprach nicht mehr zu mir.
Wahrscheinlich war er einfach umgezogen, warum hätte er mir auch Bescheid sagen sollen?
Nur wegen dieses Zufalls ganz zu Beginn?

Als ich neulich im Zug saß, dahin fuhr, wo ich endlich das warme Gefühl gefunden hatte, wohin mein Bauch mich zog, da traf ich ihn.
Ich war nicht einmal erstaunt darüber.
Wohin er denn wolle, fragte ich ihn.
"Berlin", sagte er bemüht nüchtern.
Was er da vorhabe, fragte ich weiter und er erzählte von ihr, nicht fast verlegen, sondern ganz.

"Wenn Dein Date nichts wird, schreib' mir!" sagte ich, bevor ich ausstieg.
"Wenn es etwas wird, schreib' mir auch!"

"Und: Gute Reise."

Mittwoch, 11. Juni 2008 - 01:39 Uhr
Sex ist auch nicht das, was er mal war

H. ist eine Stadt, die definititiv zu klein ist.
Ganz generell und erst recht für Affairen.
Nicht, dass es derlei in H. viele gäbe, es ist genau genommen überaus schwierig, in H. eine Affäre, oder vielmehr jemanden für eine Affäre zu finden.

Ich aber fand.
Und werde sie nicht los.

Nein, jeniger selber läuft mir nicht hinterher, schwört mir nicht Liebe und singt auch nicht unter meinem nicht vorhandenen Balkon.

Aber er ist da.
Und ich treffe ihn.
Immer und immer immer wieder.

Und das, obwohl er schon seit Jahren mit dem Studium fertig ist und demnach allen Grund hätte, H. zu verlassen.

Aber, nein, er bleibt.

Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen, ich weiß, was es heißt, jeden Tag Leuten zu begegnen, denen man nicht begegnen möchte.
Das allein ist schwierig.
Aber einem Jemand zu begegnen, dem man nicht begegnen möchte, aber mit dem man trotzdem geschlafen hat, das kenne ich nicht.
Dazu war ich seiner Zeit zu jung.
Und vielleicht nicht verzweifelt genug, als zu der Zeit, in der ich mit besagtem Jemand schlief.

Es ist normalerweise nicht meine Angewohnheit über ehemalige Beischlafpartner nach zu denken, oder gar zu schreiben, aber diesmal muss ich mich auslassen.
Es geht um meinen Seelenfrieden.

Er sieht gut aus, das muss man zu meiner Verteidigung sagen.
Und ich erhielt damals von einer Freundin den Hinweis, er sei der Beste gewesen, den sie jemals im Bett hatte.
Ja und ich?
Ich war Single und brauchte den Sex.

Die Ansichten meiner Freundin und mir gingen bzgl. des Könnens besagten Jemannds anscheinend weit aus einander, aber das konnte ja keiner ahnen.

Und das wäre auch alles noch unter Pech zu verbuchen gewesen, müsste ich mich nicht ständig mit diesem vorbeitrabenden und freundlich grüßenden Bettversager herumschlagen!
Würde er mir nur nicht ständig vor die Füße laufen!
Und selbst wenn, würde er nur nicht ständig so tun, als wenn wir es NICHT miteinander getrieben hätten!

Ich meine, wozu gibt es ONS?
Kam man danach nicht einfach so tun, als kenne man sich nicht?
Kann man im Aldi nicht gepflegt aneinander vorbei gehen und den Blickkontakt vermeiden?

Wo sind die Männer hin, die nach einem ONS keine Nummer hinterlassen?
Wo sind die Männer hin, die nach dem Sex nichts mehr von Dir wissen wollen?
Wo sind die Männer hin, vor denen meine Mutter mich immer gewarnt hat?

Und wo ist meine Mutter, wenn man sie braucht?

Die stelle ich zur Rechenschaft.
Die lade ich ein für ein Wochenende in H.
Dann kann sie mal sehen, was es heißt mit Männern zu leben, die scheiß höflich und konversationsbedacht sind, die von ihren eigenen Müttern beigebracht bekommen haben, dass man nach einem bedeutungslosen Fick höflich grüßen und plaudern muss.

Dann kann sie mal sehen, was es heißt, eine Frau mit 24 zu sein, die Spaß wollte und Konversation bekam.
Und vor allem kann sie dann mal sehen, dass Kleinstädte junge Frauen nicht davor bewahren, wahllos herumzuvögeln und danach mit den Konsequenzen leben zu müssen.

Konversation: positiv.
Ja, Mutter.
Ihr werdet euch sicher gut verstehen.

Montag, 19. Mai 2008 - 22:23 Uhr
J.E.T.Z.T.

Rabenschwärze füllt den Tag
kräht die Strahlen sonnig nieder
was in unsren Träumen lag
reißt mich nun mit Wonne nieder

Nebelschweifend hier und jetzt
blutend häng ich mich ins Heute
bis Du mein Gesicht zerfetzt
sind wir ganz normale Leute

Nackenstürmend bahn Dich vor
lass dir andern andres machen
reiß die Sinne mir vom Ohr
und die Nabelschnur vom Lachen

Heute raun ich Deinen Trieb
fest mir in den Abendschauer
heute spür ich, wie ich blieb
Morgen schrein wir nichts von Dauer

Gestern war, was heute ist
und ich leck das Salz vom Weinen
gestern hab ich Dich geküsst
heute tanz ich auf den Steinen

Heute weiß ich, was ich weiß
lass mein Blut die Schläge zählen
von den Wänden rinnt der Schweiß
Liebster, ach, wie kannst Du quälen

Edit:
Tagebucheinträge sind Gedanken.
Doch manchmal kommen sie einfach als Strophen daher.
So war's.
So ist's.
Zumindest heut'.



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